Mittwoch, 6. August 2014

Zur Geschichte des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee – Die Idee wird geboren


Zur Geschichte des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee – Die Idee wird geboren


Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war ein Fernmeldenetz vorrangig für die territorialen Stäbe wie Ministerium für Nationale Verteidigung (Hauptstab), Militärbezirke und Wehrkommandos.
Diese Stäbe waren Elemente im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates, das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee demnach ein Kommunikationsmittel für dieses Führungssystem.
Einen Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates zum Aufbau des Netzes gab es nicht, jedoch einen Entschluss des Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung.
Wie die Idee zum Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee zustande kam, davon handelt dieser Beitrag. Abweichend zum üblichen Stil ist der Beitrag etwas 'locker' gehalten.

Es waren einmal zwei Herren in den mittleren Jahren, so etwa um Mitte vierzig herum. Nennen wir die beiden Herren der Einfachheit halber Helmut und Georg.
Das Ganze spielte sich so etwa Anfang der sechziger Jahre herum ab.
Beide hatten ihre Probleme, der eine mehr, der andere weniger.
Helmut hatte ab Anfang der fünfziger Jahre beginnend und in mehreren Etappen ein unabhängiges Fernmeldenetz für den Parteiapparat der SED aus dem Boden gestampft. Das Fernmeldenetz nutzte Richtfunkverbindungen und wurde deshalb der Einfachheit halber 'Richtfunknetz der Partei' genannt. Helmut war auf dem Zenit seiner Laufbahn angekommen.
Helmut hatte mindestens ein Problem.
Das Fernmeldenetz bediente über zweihundert Kreisleitungen, vierzehn territoriale Bezirksleitungen und die Bezirksleitung der SDAG Wismut, die Druckereien der ZENTRAG und diverse Dienste wie den Rundspruch.
Es war ein mächtiges Werkzeug, aber auch teuer und nicht sonderlich effektiv.
Beispielsweise ermöglichten die Übertragungsstrecken zu den Kreisleitungen technisch gesehen den Anschluss von zwölf Fernsprechapparaten. Angeschlossen waren in jeder Kreisleitung ein Fernsprechapparat und ein Fernschreiber, in der Regel. Welch Vergeudung von Ressourcen!
Allein an Elektroenergie wurden für eine Fernsprechverbindung und eine Fernschreibverbindung in jeder Kreisleitung über drei Kilowatt eingesetzt und das rund um die Uhr! Bei über 200 Kreisleitungen wurden 1200 kW  Elektroenergie für etwas mehr als 200 Fernsprechverbindungen verbraucht.
Und das in einer Zeit, in der Stromabschaltungen für Haushalte und Industriebetriebe wegen Energiemangel üblich waren!
Dazu kam der personelle und technische Aufwand für die Wartung und Entstörung.
Nicht unbedingt wirtschaftlich waren auch die ungenutzten Stellflächen in Richtfunkstellen, in manchen waren komplette Etagen leer oder fast leer. Das wurmte einige im Parteiapparat.
Das alles kostete Geld und Geld und die Partei schaute sehr genau auf das Geld! Die monatlichen Parteibeiträge der Mitglieder stiegen jährlich und betrugen bis zu zehn Prozent des Monatseinkommens. Prämien, zusätzliche Einkommen wie Honorare, Ehrenpreise und Auszeichnungen wurden selbstverständlich ebenfalls einbezogen..
Da war das nicht sonderlich effiziente Fernmeldewesen nicht unbedingt ein Vorzeigeobjekt. Helmut musste sich einiges anhören.

Georg, der andere der beiden Herren, hatte auch ein Problem, nicht das einzige.
Georg war unter anderem verantwortlich für die Fernmeldeversorgung der Wehrkommandos. Und da gab es Ungemach. Jeder Kreis hatte ein Wehrkreiskommandos und jeder Bezirk ein Wehrbezirkskommando.
Und wie es so ist, nicht nur innerhalb der Wehrkommandos musste telefoniert werden sondnern auch zu anderen Wehrkommandos und zu vorgesetzten Stäben.
Und angerufen wollten die Mitarbeiter der Wehrkommandos auch.
Während die anderen Dienststellen der Nationalen Volksarmee in aller Regel fernmeldetechnisch versorgt waren, galt das nicht für alle Wehrkreis- und Wehrbezirkskommandos. Meistens lag es daran, dass nicht genügend Leitungen von der Deutschen Post zu den Wehr(kreis)kommandos bereitgestellt werden konnten.
Also bekam Georg zu passenden oder unpassenden Momenten auch immer wieder eine diesbezügliche Bemerkung von  'Territorialen' zu hören. Und wie es sich für einen Chef gehörte, gab er das nach unten weiter.
Nun war Georg keinesfalls der Chef, der nun deswegen seine Nachgeordneten 'prügelte', er war viel mehr derjenige, der ein offenes und oft vertrautes Verhältnis zu seinen Untergebenen pflegte.
Es konnte schon geschehen, dass Georg in einem Dienstzimmer erschien, um mit einem Mitarbeiter direkt ein Problem zu erörtern oder mit Mitarbeitern in kleiner 'Runde' zusammen zu sitzen.
Georg hatte neben der nicht immer guten Fernmeldeversorgung der Wehrkommandos noch ein zweites Problem.
Irgendwann war vorgesehen gewesen, in die Nationale Volksarmee einen Richtfunktrupp mit Geräten RVG 924 von Rafena Radeberg einzuführen. Mit Funktrupps wie dem Truppe FK 50 oder den Geräten FK-1 oder FK1-A oder EKD hatte das auch recht gut geklappt
Mit der Einführung des Richtfunktrupps ging es irgendwie schief. Die Richtfunkgeräte waren entwickelt und auch hergestellt worden
Die Erprobungsstellen Niederlehme unterzog mit zwei Herren den Richtfunktruppe einer strengen Erprobung. Das Ergebnis war ernüchternd, die Geräte waren nicht fur den mobilen Einsatz verwendbar. Das war nicht Fröhlich und da half auch kein Zimmermann.
Vielleicht waren ihre Maßstäbe der Erprobungsstelle auch zu hoch. Immerhin hatten andere Richtfunkgeräte aus Radeberg schon im 2.Weltkrieg ihre Bewährungsprobe bestanden. Und das Werk in Radeberg belieferte die Sowjetunion mit Richtfunkgeräten. 
Sei es wie es sei, nun standen die Geräte aus der mißglückten Entwicklung – es waren mehr als einige Dutzend - in Teillagern der Nachrichtentruppen wie Hammer-Unterwiesenthal herum, mussten in gewissen Abständen eingeschaltet und überprüft werden.
Irgendwann kam die zündende Idee: Wie wäre es, wenn mit den herumstehenden Richtfunkgeräten Verbindungen zu den Wehrkreiskommandos hergestellt würden? Die SED hatte das doch gut gepackt! Man müsste doch einmal darüber mit denen reden.

Nun war das Verhältnis zwischen Georg (NVA) und Helmut (SED) nicht unbedingt ein herzliches. Aber wie es so ist, irgendwie kamen sie ins Gespräch. Das will etwas heißen, denn Helmut und Georg sollen sich nicht sonderlich gelitten haben. Helmut soll früher ein Mitarbeiter von Georgs Verwaltung gewesen sein.
Trotzdem, einmal fanden sie sich und stellten fest: Bei etwas gutem Willen könnte man sich doch zusammen tun und wenigsten ein Teil der Probleme beider Herren wäre aus der Welt geschafft.

Gesagt, getan. Die Idee nahm Gestalt an: Das Richtfunknetz der Partei (SED) könnte doch auf der unteren Ebene in den Richtfunkverbindungen zu den Kreisleitungen mindestens einen Fernsprechkanal und einen Fernschreibkanal für die Wehrkreiskommandos zur Verfügung stellen, selbstverständlich nicht kostenlos.
In den Wehrbezirkskommandos könnten Richtfunkendstellen eingerichtet werden. Dazu könnten die Richtfunkgeräte aus den Beständen der NVA genommen.
In der oberen Netzebene könnten die Richtfunkverbindungen verdichtet, auch mit Geräten aus dem Bestand der NVA oder/und aus Beschaffungen.
In jeder Bezirksrichtfunkzentrale müsste  eine Wählvermittlung aufgebaut werden
Die Abteilungen Fernmeldewesen der Partei würde  die Montage der Geräte übernehmen, gegen Bezahlung selbstverständlich.
Die Richtfunkverbindungen der Strecken für die NVA könnten in den technischen Betriebsdienst der Abteilungen Fernmeldewesen übernommen werden..
Die NVA müsste aber ihre Verbi8ndungen selbst überwachen.
Und in etwa zwei oder drei Jahren könnte das Ganze stehen.
Und über den Rest würde man sich schon einig werden.
Zwischen der Verwaltung Nachrichten und der Abteilung Fernmeldewesen 
müsste eine Vereinbarung unterschrieben werden.
So oder ähnlich – lax formuliert – entstand die Idee, ein Richtfunknetz der NVA zu errichten.
So ist es, wenn sich eben zwei Herren im mittleren Alter treffen und jeder seine Probleme gelöst sehen möchte und sieht.
Wie eben Georg so oft sagte, in einem vernünftigen Gespräch zwischen Männern, lassen sich bei guten Willen und wenn jeder etwas davon hat, alle Probleme klären.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Nun konnte man eine solch folgen- und millionenschwere Investition nicht einfach als Ergebnis eines Gespräches zweier gegängelter und unzufriedener Herren am Biertisch deklarieren: Das Ganze musste wohl begründet und für alle Seiten zum Vorteil führend herbeigeführt werden.

Nun soll man nicht denken, so etwas wäre unüblich gewesen oder sei unüblich. Manche Dinge kommen zustande, weil beide oder alle Seiten etwas davon haben.

Die Geschichte ist deshalb interessant, weil sie zeigt, wie Entscheidungen zustande kommen können.
Das Ausgangsproblem für die Nationale Volksarmee war wohl die mangelhafte Fernmeldeversorgung der Wehrkreiskommandos. Diesen Mangel hätte auf verschiedene Weise abgeholfen werden können, beispielsweise durch die Verlegung neuer Fernmeldeleitungen.
Dagegen sprachen damals vermutlich zwei Gründe, es gab Engpässe hinsichtlich der Fernmeldekabel und es sollte kurzfristig die Fernmeldeversorgung verbessert werden.
Nun dauerte die Fertigstellung des Richtfunknetzes über fünf Jahre, das ist nun wahrlich keine kurze Frist.

Vermutlich gab es nicht einmal eine tragfähige Erfassung hinsichtlich der mangelhaften Fernmeldeversorgung der Wehrkreiskommandos. Vielleicht betraf es nur drei, fünf oder fünfzig der über zweihundert Wehrkreiskommandos?
Um mit Nobelpreisträger Daniel Kahneman zu sprechen, hier wurde das System 1 genutzt: Es wurden zwei Probleme aus der Welt und mindesten ein Erfolg geschaffen.

An dieser Stelle wäre es ratsam, abzubrechen.


Dienstag, 22. April 2014

Zur Geschichte des Richtfunknetzes der SED - Teil 1


Zur Geschichte des Richtfunknetzes der SEDTeil 1

Im folgenden Textteil zur Geschichte der Richtfunknetzes der SED bis zum Jahre 1964 sind Erinnerungen an Gespräche mit Mitarbeitern verarbeitet worden.
Ab dem Jahre 1964 beruht der Textteil auf eigenen Erinnerungen.
Im Text geht es nicht darum, ob und wieviel RVG 903 oder RVG 934 im RFN der SED eingesetzt waren, nicht um die Beschreibung des Geschehens, sondern um das Verständnis des Geschehens, um die Beweggründe.
Die Ereignisse des 17.Juni 1953 waren ein Einschnitt in der Geschichte der DDR, aber noch mehr in der Geschichte und im Selbstverständnis der SED.
Es ist nicht Gegenstand dieses Textes, auf Ereignisse im Einzeln einzugehen und auch nicht Absicht, Ereignisse zu bewerten, obwohl die Berechtigung als Zeitzeuge schon gegeben wäre.

'Ein 17.Juni 1953 darf sich nicht wiederholen', das war so etwa die letztliche Folgerung der politischen Führung nach dem 17.Juni 1953.
Nun ist so ein Satz sehr vieldeutig. Für den Parteiapparat war es der Anspruch, einer solchen Situation im Wiederholungsfalle gewachsen zu sein, die 'Führende Rolle als bewussten und organisierten Vortrupp der Arbeiterklasse' nie in Frage stellen zu lassen. Die Ereignisse des 17.Juni empfand die politische Führung wohl eher als eine Niederlage in ihrer Führungsrolle.

Offensichtlich sah die politische Führung eine der wichtigsten Ursachen dafür im Fehlen eines 'Führungssystems' und eines 'Informationssystems'.
Innerhalb einer relativ kurzen Zeit wurde deshalb ein internes Führungssystem aufgebaut und zwar in Form von Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen, die dem ZK unterstellt waren. In den Einsatzleitungen waren alle staatlichen Organe vertreten. Im Staatsnotstand ging die staatliche Macht an die Einsatzleitungen über. An der Spitze des Führungssystems stand die Sicherheitskommission des ZK.
Dieses Führungssystem des Parteiapparates hatte die führende, weisende Rolle der Partei tatsächlich bis zur Kreisebene zu sichern.
Die Einsatzleitungen waren Institutionen des Parteiapparates der SED.
Auf die Erweiterungen des Führungssystems in den Folgejahren wird später - in einem eigenen Blog -  eingegangen, insbesondere auf die Wandlung in der Art, wie die führende Rolle der SED gesichert wurde.

Während der Ereignisse des 17.Juni 1953 hatten die mangelnden technischen Kommunikationsmöglichkeiten des Parteiapparates den notwendigen Informationsaustausch und Reaktionen zumindest erschwert wenn nicht sogar verhindert.
Deshalb wurde zeitgleich innerhalb kurzer Zeit und in mehreren Etappen begonnen, ein unabhängiges, gesichertes Nachrichtennetz der SED für dieses Führungssystem der Einsatzleitungen, eben das Richtfunknetz der SED, aufzubauen. Ein unabhängiges, nichtöffentliches Netz mit Richtfunkverbindungen als Übertragungseinrichtungen hatte einige Vorteile, auf die hier nicht eingegangen wird.

Die Institutionen des Parteiapparates waren vor dem Aufbau des eigenen Netzes beim Informationsaustausch völlig auf das öffentliche Fernsprechnetz angewiesen gewesen. Dieses öffentliche Fernsprechnetz stützte sich auf Ortsvermittlungsstellen (OVStn).
Fernsprechverbindungen zwischen der Mehrzahl der Ortsvermittlungsstellen (OVStn), das heißt zwischen den Städten, waren bis auf wenige Ausnahmen nur über Vermittlungsplätze der Ortsvermittlungsstellen möglich.

Wollte ein Teilnehmer in einem Ort einen Teilnehmer in einem anderen Ort anrufen, so rief er den Vermittlungsplatz seiner Ortsvermittlungsstelle an, das allgemein bekannte Fernsprechamt.
Am Vermittlungsplatz saß das berühmte 'Fräulein vom Amt', nahm den Anruf und den Verbindungswunsch an, rief das Fernsprechamt des anderen Teilnehmers oder gleich den anderen Teilnehmer an und vermittelte die beiden Teilnehmer.

Für außergewöhnliche Situationen – Katastrophen, Krisen, Notständen etwa – war ein solches Verfahren im Verbindungsaufbau aus mehreren Gründen ungeeignet:
  1. Da die Anzahl der Fernsprechleitungen zwischen den Ortschaften begrenzt war, kam es sehr schnell zur Vollauslastung der Leitungen. Neue Verbindungen konnten nicht vermittelt werden.
  2. Eine Rangordnung oder Bedeutsamkeit des Verbindungswunsches war für die Vermittlungskraft nicht erkennbar, für sie waren alle Teilnehmer gleich wichtig.
  3. Zudem konnte die Vermittlungskraft eine bestehende Verbindung selbständig oder auf Weisung der Aufsicht trennen.
Neben dem öffentlichen Fernsprechnetz gab es bereits nichtöffentliche Netze, beispielsweise Netze der Energieversorgung, der Post, der Bahn (Basa), der Polizei.

Der Parteiapparat der SED als führende und organisierende Kraft verfügte dagegen  im Jahre 1953 über kein eigenes, nichtöffentliches und vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibnetz.

In der ersten Etappe des Aufbaus wurden die vorhandenen Fernsprechvermittlungen des Zentralkomitee und der Bezirksleitungen über Richtfunkverbindungen mit RVG 903 miteinander verbunden.

Dieses erste Netz von Richtfunkverbindungen wurde sehr bald durch ein eigenständiges und modernisiertes Richtfunknetz ersetzt.
Maßgeblich wurde das Vorhaben beeinflusst und auch geleitet durch Helmut Weihrauch.
In der schon bestehenden Fundament GmbH wurde für die Errichtung des Netzes die Abteilung Technologie geschaffen.

Es entstand ein Netz mit Richtfunkverbindungen als unabhängiges Übertragungsmedium, mit eigenen Vermittlungen in den Bezirksleitungen und mit eigenem Personal. 

Alle Richtfunkstellen waren in ein Bewachungs - und Sicherungssystem SZ 153 des Ministerium des Inneren (MdI) eingebunden. Die Bezirksrichtfunkzentralen wurden von Kräften der Volkspolizei unmittelbar bewacht.
Die nicht bewachten Richtfunkstellen waren mit technischen Mitteln eines Objektsicherungssystems gesichert. (Signaldrähte, Lichtschranken, Impulsspannungsanlagen)
Eine mögliche oder tatsächliche Bedrohung solcher technisch gesicherten Richtfunkstellen wurde im zuständigen Volkspolizeikreisamt (VPKA) signalisiert.
Im Verteidigungszustand sollten Einheiten der Kampfgruppen und der Bereitschaftspolizei die Sicherung der Richtfunkstellen übernehmen.

Der Aufbau des Richtfunknetzes der SED begann Anfang der fünfziger Jahre über mehrere Ausbaustufen.
Als im Jahre 1964 begonen wurdem das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee aufzubauen, war der Aufbau des Richtfunknetz der SED lange abgeschlossen.

Im Jahre 1964 verfügte das Richtfunknetz der SED über

  • mehr als 200 Richtfunkendstellen in den Kreisleitungen der SED
  • 14 Richtfunkendstellen in den Bezirksleitungen
  • 14 Bezirksrichtfunkzentralen
  • eine Vielzahl weiterer Richtfunkstellen

    In einem folgenden Beitrag wird das Richtfunknetz der SED im Einzelnen vorgestellt.

Sonntag, 23. März 2014

Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee - Streckenübersicht (Auszug) 

Vorab zu einem neuen, demnächst folgenden  Eintrag hier eine nicht vollständige Darstellung der Strecken des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee, rekonstruiert aus der Erinnerung.
Die Lage einiger Richtfunkstellen und deren Bezeichnungen wurde auf ihre Richtigkeit anhand von Rückfragen bei Herbert S. (Bezirk Dresden) und Bernd S. (Cottbus) und anhand einer Karte des Schmalbandrichtfunknetzes der DP (Stand 1984) gegengeprüft und in einigen Fällen berichtigt.

 Die Darstellung ist keine topografische Karte und soll einen Überblick über das Netz verschaffen. So wurden Richtfunkstrecken im Bezirk Karl-Marx-Stadt eingetragen, die nicht vom Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee nur genutzt, also nicht geplant und errichtet wurden.
Dagegen sind die Richtfunkstrecken zu den Endstellen bei den Wehrbezirkskommandos, den  Stäben von Verbänden und Kommandos der Teilstreitkräfte nicht eingetragen. (S3....Sx)
So ungefähr sah auch das Grundsatzdokument für das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee aus, das im Ministerium für Nationale Verteidigung als Arbeitspapier kursierte. Nur war es nicht so schön farbig, wie es heute möglich ist. Die hinterlegte Karte existierte tatsächlich schon damals und gehörte zu den Arbeitsmitteln.
Die später errichtete Richtfunkstelle Woldzegarten im Bezirk Neubrandenburg wurde zusätzlich eingetragen.

Zu den Vorplanungen zum Richtfunknetz der NVA

Zu den Vorplanungen zum  Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA)


Dieser Eintrag ist wiederum ein Auszug aus einem größeren Text als eine Vorabveröffentlichung.
Zum vollen Verständnis wäre die Kenntnis eines vorangehenden Abschnittes zum Richtfunknetz der SED glücklicher. Aus verschiedenen Gründen wird die Veröffentlichung zurückgestellt. Dazu gehören auch die Klärung von Namensnennungen und Bildrechten. In diesem Beitrag sind deshalb nur Namensnennungen 'öffentlicher Personen' zu finden.
Dafür bitte ich um Verständnis und Geduld.
In diesen Beiträgen werden keine persönlichen Wertungen vorgenommen, das ist dem 'größeren Text' vorbehalten.
In einem gesonderten Eintrag werde ich auf die Entscheidungen des Nationalen Verteidigungsrates, das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee betreffend, eingehen.
Ein Hinweis zum Lesen sei gestattet.
In manchen Publikationen wird mit Begriffsbestimmungen und -inhalten oft nachlässig umgegangen. Beispielsweise wird nicht darauf geachtet, dass das Zentralkomitee der SED kein Verhandlungspartner des Ministeriums für Nationale Verteidigung war und sein konnte, Partner des Ministeriums für Nationale Verteidigung war immer das Sekretariat des Zentralkomitees.
In diesen Einträgen wird versucht, die Begriffe korrekt zu verwenden, sollte doch hin und wieder davon abgewichen werden, so ist das schlichtweg übersehen.

Das Richtfunknetz der SED bot alle Voraussetzungen für den Aufbau eines Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee zu Sicherstellung der Nachrichtenverbindungen der Führungsstäbe des Nationalen Verteidigungsrates im Verteidigungszustand.
Aus diesem Grunde wurde in Gesprächen die Möglichkeiten einer Nutzung des Richtfunknetzes der SED in diesem Sinne erörtert.

Erleichtert wurden Gespräche zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Sekretariat des Zentralkomitee zur Errichtung eines Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) auch, weil der Leiter der Abteilung Fernmeldewesen Helmut Weihrauch  ehemals Abteilungsleiter in der Verwaltung Nachrichten gewesen war.
Georg Reymann und Helmut Weihrauch kannten sich also persönlich.

Nach ersten Gesprächen stimmte das Sekretariat des Zentralkomitee der SED dem Vorhaben zu,  gab jedoch vor:

1. Der Parteiapparat der SED und damit die Abteilung Fernmeldewesen mit dem Richtfunknetz der SED war, konnte und durfte kein Dienstleister des Ministerium für Nationale Verteidigung sein oder werden. Für die Sicherstellung der Nachrichtenverbindungen im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates im Verteidigungszustand war das Ministerium für Nationale Verteidigung zuständig.
Das entsprach auch dem Selbstverständnis des Parteiapparates.
2. Die materiellen, personellen und finanziellen Aufwendungen des Aufbaus und des Betriebes des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) einschließlich der Aufwendungen im Richtfunknetz der SED habe das Ministerium für Nationale Verteidigung zu tragen.
3. Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sei unabhängig vom Richtfunknetz der SED zu betreiben. Die Abteilung Fernmeldewesen werde entgeltlich den technischen Betriebsdienst sichern.
4. Das Ministerium für Nationale Verteidigung habe den Aufbau des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) einschließlich der Veränderungen im Richtfunknetz der SED zu planen, zu projektieren und zu leiten. Die Abteilung Fernmeldewesen habe lediglich zu unterstützen, sofern es Belange des Richtfunknetzes der SED beträfe.

Nach dieser grundsätzlichen Übereinstimmung wurden die Zielstellung und die Vorgaben zur Verwirklichung eines  im Verteidigungszustand vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernschreib- und Fernschreibnetz für die Führungsstäbe im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates  unter Nutzung des Richtfunknetzes der SED durch Mitarbeiter der Verwaltung Nachrichten und der Abteilung Fernmeldewesen im Zentralkomitee der SED erarbeitet. 

Das geplante Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee sollte ein Fernsprech-/Fernschreibnetz sein, in dem die Teilnehmer die gewünschte Verbindung durch Wählen selber aufbauen konnten und sollte sich demgemäß auf Vermittlungsanlagen stützen.

Die Wählvermittlungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sollten in den Bezirksrichtfunkzentralen des Richtfunknetz der SED aufgebaut sein.

Das Richtfunknetz sollte alle Führungsstäbe im Führungssystem im Verteidigungszustand miteinander verbinden und und auch bei gegnerischen Handlungen gegen Teile des Netzes nutzungsfähig bleiben. Ein Teil dieses Personenkreises sollten Direktteilnehmer des Netzes sein, demnach über eine ihnen zugeordnete Rufnummer erreichbar sein.

Darüber hinaus sollten die Kommandos der Teilstreitkräfte, der Grenztruppen und der Militärbezirke und andere Stäbe das Netz nutzen können.

Um diese Vorgaben zu erfüllen, waren die Vermittlungen für Anschlüsse von Direktteilnehmern und mit Querverbindungen zu bestehenden Vermittlungen des Armeefernsprech-/fernschreibnetzes zu schaffen. Die Querverbindungen sollten erst im Verteidigungszustand aktiviert werden.

Die notwendigen Übertragungskanäle zwischen den Vermittlungen und zu den Teilnehmern sollten  über Richtfunkverbindungen bereitgestellt werden.

Die Leiter der Wehrkreiskommandos sollten über örtliche Kabelverbindungen im Netz der Deutschen Post (DP) mit den Endstellen des Richtfunknetzes der SED bei den Kreisleitungen der SED verbunden werden.

Den technischen Betriebsdienst, das war vor allem die Wartung und die Entstörung,  sollten technische Mitarbeiter Kräfte der Abteilungen Fernmeldewesen bei den Bezirksleitungen der SED übernehmen.

Die Überwachung der Betriebsfähigkeit der Verbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sollte Personal der Nationalen Volksarmee übernehmen.

Im Jahre 1963 wurden die notwendigen Aufwendungen im Richtfunknetz der SED im Zusammenhang mit der Errichtung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) erfasst.

Beteiligt waren von Seiten der Abteilung Fernmeldewesen beim Zentralkomitee der SED Siegmar Knecht für die Richtfunkverbindungen, Wolfgang Burucker für die Fernmeldeanlagen, Fritz Hoffmann für die baulichen Anlagen, Gerhard Gutmann für die Sicherheitsfragen. Seitens des Ministeriums für Nationale Verteidigung waren Erhard Horn und später hinzukommend Horst Zinke beteiligt.

Es war von vornherein abzusehen, dass das Richtfunknetz der SED nicht über alle notwendigen baulichen und anlagentechnischen Voraussetzung für die Entfaltung eines solchen Netzes verfügte.

Die für den Anschluss der Wehrkreiskommandos (Leiter Wehrkreiskommando)  notwendigen Kanäle konnten in den Endstellen der Kreisleitungen bereitgestellt werden
Für die Verbindungen zwischen den Führungsstäben  konnten die erforderliche Anzahl von Fernsprechkanälen und Fernschreibkanälen  nicht ohne Erweiterungen der Richtfunkstrecken bereitgestellt werden.
Es müssten zusätzliche Richtfunkverbindungen im zweistelligen Bereich aufgebaut werden.
In den vorhandenen Betriebsräumen der Richtfunkstellen konnten die zusätzlich notwendigen Flächen für die Vermittlungen, die Übertragungstechnik und die Richtfunkgeräte nicht zur Verfügung gestellt werden.
Im Richtfunknetz der SED müssten eine Reihe von übertragungstechnischen Anlagen umgerüstet werden.
Zwei Bezirksrichtfunkzentralen (Potsdam und Leipzig) müssten umgesetzt werden, weil ihre Nutzung wegen ihrer Lage im Stadtgebiet nicht möglich war. Die Zielstellung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee verlangte eine Lage der Richtfunkzentralen außerhalb von Ortschaften, das traf auf Leipzig und Potsdam nicht zu. Im Bezirk Neubrandenburg wurde die Bereichsrichtfunkzentrale bei Usadel errichtet, die Bezirksrichtfunkzentrale lag am östlichen Stadtrand von Neubrandenburg.
Das Richtfunknetz der SED war um drei Richtfunkzentralen auf dem Keulenberg nahe der Ortschaft Usadel bei Neustrelitz, auf einer Anhöhe beim Ort Phöben nahe Werder und auf dem Sorgenberg nahe der Ortschaft Machern zu Lasten des Ministeriums für Nationale Verteidigung zu erweitern.
Auf dem Golm bei Stülpe war die Hauptrichtfunkzentrale des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) in einer ehemaligen Richtfunkstelle der Deutschen Post einzurichten.
An über zwanzig Richtfunkzentralen bzw. Richtfunkstellen des Richtfunknetz der SED waren bauliche Erweiterungen (Anbauten) notwendig, da die Betriebsflächen für die Aufnahme der zusätzlichen Anlagen nicht ausreichten.
In über zwanzig Objekten der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) waren neue Richtfunkendstellen zu errichten.
Das Wehrbezirkskommando in der Hauptstadt der DDR Berlin konnte aus Sicherheitsgründen (Aufklärung) keine eigene Richtfunkendstelle erhalten sondern müsste über Drahtverbindungen an die nächstgelegene Bezirksrichtfunkzentrale (Hauptrichtfunkzentrale)  angeschlossen werden. Die Nutzung des geplanten Fernsehturms Berlin wurde abgelehnt.
Für das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) könnten die notwendigen Richtfunkfrequenzen (Richtfunkkanäle) im Frequenzband des Richtfunknetz der SED nicht bereitgestellt werden.
Der technische Betriebsdienst im Richtfunknetz der SED musste erweitert werden.
Die notwendigen Planungs-, Projektierungs- und Führungsleistungen für die Errichtung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA)  könnten nicht durch Personal des Richtfunknetzes der SED zusätzlich erbracht werden.
Die Beschaffung der zusätzlichen Geräte und Ausrüstungen müsste das Ministerium für Nationale Verteidigung absichern.
Die Überwachung der Verbindungen des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) hätte das Ministerium für Nationale Verteidigung zu sichern. Dazu wären drei Überwachungsbereiche Nord (II), Mitte (I) und Süd (III) zu bilden, wovon der Überwachungsbereich I (Mitte) der vorgesetzte Überwachungsbereich für die beiden Überwachungsbereiche Nord und Süd sein sollte.
Einzig für die Montage der technischen Anlagen wären die technischen Kräfte bei den Bezirksleitungen einsetzbar.
Aus Gründen der Geheimhaltung und der Sicherheit bezüglich der Struktur und des Betriebes des Richtfunknetz der SED müssten alle Bauleistungen und auch die Bauprojektierungsleistungen von der Fundament GmbH als einem parteieigenem Betrieb übernommen werden.

Der Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung Oberst Georg Reymann entschloss sich deshalb, eine Aufbaugruppe aus drei Mitarbeitern der Verwaltung zu bilden und sie mit der Planung und Leitung des Aufbaus des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) zu betrauen.

Die erste und wichtigste Aufgabe war, die notwendigen Erweiterungen des Richtfunknetzes der SED zu ermitteln.

Im Zuge dieser Vorarbeiten waren im wesentlichen die grundsätzliche Struktur der Richtfunkverbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee durch die Gruppe mit Erhard H., Wolfgang B. und Siegmar K. festgelegt.

Die Standorte der neuen Richtfunkstellen wurden mit einem bewährten Verfahren gefunden.

Das wichtigste Hilfsmittel dabei war ein Relief der des Territoriums der DDR.
Die Krümmung des Reliefs war den Ausbreitungsbedingungen der Richtfunkwellen angepaßt. Untergebracht war das Relief in einem völlig lichtdichten Raum in einem Kellergeschoß im Gebäude des Zentralkomitees.

Das Standortfindungsverfahren am Relief war einfach und verblüffend.
An  den Standorten der geplanten oder vorhandenen Richtfunkstellen wurde eine speziell präparierte kleine Glühlampe, wie sie in Taschenleuchten verwendet wurde, angebracht und eingeschaltet. Der Raum wurde für die Zeit des Verfahrens völlig abgedunkelt. Über dem Relief war ein Fotoapparat angebracht, der die Ausleuchtung des Reliefs festhielt. Auf der Aufnahme zeichneten sich beispielsweise benachbarte Anhöhen oder oder auch Flächen als helle Flecken  oder Flächen ab. Die Ausleuchtung war so ein Abbild der Ausbreitung der Richtfunkstrahlen. Zuletzt wurde eine Karte der DDR mit den Ortsnamen eingeblendet, so dass die Lage der erreichbaren Zonen rekonstruierbar war. Durch unterschiedliche Helligkeitsstufen konnte sogar die erreichbare Dämpfung abgeschätzt werden.
Der Vater des Verfahrens war Helmut Weihrauch.

Auf diese Weise waren die Standorte der drei neuen Richtfunkstellen bei Phöben, Usadel und Machern gefunden worden, genauer, ihre Nutzbarkeit nachgewiesen.
Gleichzeitig war nachgewiesen, welche anderen Richtfunkstellen von diesen Standorten erreichbar waren.
Ein Beispielbild ist oben  zu sehen, es diente dem Nachweis der Erreichbarkeit anderer Richtfunkstellen vom Standort Phöben aus.
Der Standort Phöben ist in dem Bild durch den dunklen, kreisrunden Fleck in der Mitte des Bildes markiert. Erkennbar ist, dass von Phöben aus der Golm bei Stülpe, das ist die 'Wolke'  rechts unten im Bild, erreichbar war.

Freitag, 14. März 2014

Zur Aufklärung des Richtfunknetzes - Grenzen und Möglichkeiten


Richtfunknetz der NVA – aufgeklärt, bedeutungslos oder Bedeutung verloren, Schweigenetz?

In einigen Internetveröffentlichungen, insbesondere bei Joachim Kampe, wird erklärt, das Richtfunknetz der NVA sei bereits in den sechziger Jahren durch die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr aufgeklärt worden. Das habe zu einer starken Eingrenzung der Nutzung geführt und die Zahl der berechtigten Nutzer sei deshalb erheblich eingegrenzt worden. Und nicht zuletzt sei der automatische Zugang in das Richtfunknetz der NVA auch deshalb technisch gesperrt worden. Auch habe das Richtfunknetz durch die Errichtung des Sondernetzes 1 für die tägliche Kommunikation weiter an Bedeutung verloren. (Quellen : Wikipedia „Richtfunknetz der Partei“ Datum 13.03.2014, jobakampe.magix.net „Wahrheit und Fälschung“ Datum 13.03.2014

Im Eintrag vom 02.Februar 2014 in diesem Blog  ist lesen, das Richtfunknetz der NVA ist als ein Fernsprech-/Fernschreibnetz der territorialen Führungsorgane für den Verteidigungszustand und für einen begrenzten Teilnehmerkreis geplant und errichtet worden. Eine Nutzung im ‚täglichen Dienst‘ für alle Teilnehmer in der NVA war nie vorgesehen gewesen. Ohne Zweifel und verständlicherweise haben einige Teilnehmer des Netzes nach der Inbetriebnahme des Richtfunknetz der NVA sich mit dem Netz vertraut gemacht und ‚gewählt‘.
Querverbindungen zwischen dem Armeefernsprechnetz und dem Richtfunknetz waren von vornherein geplant und vorbereitet, aber auch von vornherein für den täglichen Dienst gesperrt. Die Sperre konnte jederzeit aufgehoben werden und zwar auf besondere Weisung. Beispielsweise wäre es im Verteidigungszustand bei Ausfall der ortsfesten Vermittlungsstelle möglich geworden. Die zu wählende Ziffernfolge war in jedem Fernsprechverzeichnis ausgewiesen.
Die Vermittlungstechnik ATZ 65N und die ENA 64/128/256 boten die Möglichkeit, bestimmten Teilnehmern die Nutzung der Querverbindungen zu ermöglichen.
Mit dem weiteren Ausbau des Führungssystems wurden in den siebziger und in den achtziger Jahren bis zum Zeitpunkt der Außerbetriebnahme im Jahre 1990 weitere Stäbe und Führungsstellen (HNZ) - ‚Bunker‘ Harnekop beispielsweise - und Ausweichführungsstellen der Einsatzleitungen an das Richtfunknetz der NVA angeschlossen. Das Richtfunknetz wurde nach der Inbetriebnahme zielstrebig und entsprechend der geplanten Verwendung weiter ausgebaut. Auch wurde mit dem Bau der Richtfunkstelle bei Woldzegarten mit einem Aufwand von etwa 1,5 MioM eine 'Lücke' im Nordraum gefüllt
Das Richtfunknetz der NVA hatte von Beginn an eine eigene, unveränderte Bedeutung. 
Daran änderte auch der begonnene Aufbau des Sondernetzes 1 nichts, da das Richtfunknetz der NVA eine andere Funktion im Führungssystem für den Verteidigungszustand als das Sondernetz 1 hatte, das Richtfunknetz war keine ‚Minivariante‘ des Sondernetzes 1. Die Planung des Sondernetzes 1 begann Ende der sechziger Jahre. Vielleicht sollte das in einem gesonderten Blog geschildert werden, so die Zeit und die Kraft noch reicht. Allein die Erarbeitung einer gerätetechnischen Lösung bis zur ATZ 65B war ein mehrjähriger Kraftakt..
Die ersten Überlegungen zum Aufbau eines Integrierten Stabsnetzes (Sondernetz 1) nahmen bereits Mitte der sechziger Jahre Gestalt an, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen.
Selbst nach der 'Übergabe' des Richtfunknetzes der SED an das MPF änderte sich nichts an der Bedeutung des Richtfunknetz, es wurde unverändert weiter betrieben.
Für das grundsätzliche Verständnis zum Richtfunknetz der NVA ist der zeitlich erste Eintrag vom 02.Februar 2014 wichtig. Sicher wird dieser Eintrag zum noch besseren Verständnis zu verändern sein, aber bitte nicht heute.
Es sei wiederholt, das Richtfunknetz der NVA war ein Nachrichtennetz, das erst mit Beginn des Verteidigungszustandes aktiviert worden wäre. Es war nicht für den täglichen Dienst gedacht.

In den besagten Veröffentlichungen wird der Bedeutungsverlust vor allem mit der erfolgreichen gewesenen Aufklärung durch die Bundeswehr begründet.
Nun waren die Planer des Richtfunknetzes keinesfalls Ignoranten oder Deppen, die eine mögliche Aufklärung ‚vernachlässigt‘ hatten. Das Richtfunknetz der NVA war keinesfalls ein tot geborenes Kind und keinesfalls zum Zeitpunkt der Planung und Inbetriebnahme mit dem Verlust seiner Bedeutung behaftet.
Den Planern war schon bewusst, dass Richtfunkverbindungen aufgeklärt werden konnten. Ihnen waren die technischen Möglichkeiten und Mittel einer Aufklärung auch bekannt.
Beide Seiten, die östliche und auch die westliche, verfügten über annähernd die gleichen Aufklärungsmittel und -methoden und setzten sie auch ein.
Und obwohl Funkverbindungen und auch Richtfunkverbindungen aufgeklärt wurden und werden konnten, wurden Funk- und Richtfunkverbindungen auf beiden Seiten entfaltet und betrieben. Vielleicht um der anderen Seite Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren? Kleiner Scherz.
Im Übrigen, die Aufklärung der mit Feldnachrichtenmittel beispielsweise mit R-404 entfalteten Verbindungen war ergiebiger als die des stationären Richtfunknetzes der NVA. Das bestätigte sich schon in den sechziger Jahren.
Trotzdem wurden ein Richtfunkregiment 2 gebildet, wurden in den Nachrichtenkompanien der Wehrbezirkskommandos Richtfunktrupps RT 415 eingebunden.
Ähnliches gilt für Richtfunk- und den Funkmittel der Teilstreitkräfte.
Mit der möglichen und notwendigen Aufklärung muss gelebt werden. Und darauf muss bei der Planung Rücksicht genommen werden. Das ist auch bei der Planung des Richtfunknetzes der NVA bedacht worden.
Nun ist die Aufklärung ein weites Feld und es ist nicht Anliegen dieses Blogs, auf die Philosophie der Aufklärung einzugehen, dazu fehlen auch die Voraussetzungen.
Erstes Erfordernis war es, eine Aufklärung zu erschweren. Darauf zielen wohl alle militärischen Aktivitäten einer Anti-Aufklärung.
Und eine Aufklärung muss auch eine Information und zwar eine bedeutsame Information erbringen.
Das ist Sache der Auswertung.
Abschließend ist nur festzustellen, die mögliche Aufklärung durch die Bundeswehr – so es die gegeben hat – hat keinesfalls zu einem Bedeutungsverlust und zur Außerbetriebnahme des Richtfunknetzes der NVA geführt.
Danke für das Lesen.
Der nächste Eintrag kommt gewiss.

Mittwoch, 12. März 2014

Zur Vorgeschichte des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) Der nachfolgende Abschnitt beruht auf Erinnerungen aus der Zeit der Planung und des Aufbaus gibt Erinnerungen an Dokumente, Gespräche, Beratungen, Einweisungen und ähnliches aus den Jahren 1964 bis 1969 wieder.
Der Aufbau des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee war ein Teil der Maßnahmen zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand. Andere Maßnahmen waren beispielsweise die Errichtung eines Grundnetzes, die Einrichtung von Ausweichobjekten, der Bau von Führungsstellen, die Vorbereitung der Wirtschaft auf den Verteidigungszustand. Die damalige politische und militärische Führung der DDR des Zeitraumes um das Jahr 1960 ging davon aus, dass ein möglicher Krieg sich auszeichnen würde durch militärische Operationen auf dem Territorium des Angreifers Truppen- und Nachschubbewegungen auf dem Territorium der DDR und später auf dem Territorium des Angreifers Zerstörungen auf dem Gebiet der DDR und dem des Angreifers Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung des Nachrichten-, des Verkehrs- und des Gesundheitswesens und der Wirtschaft Außerdem rechnete die politische und militärische Führung der DDR mit Handlungen von Kräften des Gegners auf dem Territorium der DDR zur Lähmung der Verteidigungsfähigkeit. Zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand wurde neben anderem Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und der Versorgung der Bevölkerung und damit auch der Versorgung der Streitkräfte und zur Sicherung der Operationsfreiheit, auch der Nachschub- und Versorgungswege ein territoriales Führungssystem für den Verteidigungszustand mit dem Nationalen Verteidigungsrat und Bezirkseinsatzleitungen aufgebaut An der Spitze des Führungssystems stand der Nationale Verteidigungsrat, ihm direkt unterstellt waren die Bezirkseinsatzleitungen. Die territorialen militärischen Führungsorgane in diesem Führungssystem im Verteidigungszustand sollten die Wehrbezirkskommandos sein, die Führungsstäbe der Bezirkseinsatzleitungen. Damit bekamen die Wehrbezirkskommandos und später auch die Wehrkreiskommandos einen völlig neuen Stellenwert, aus Verwaltungen wurden militärische Stäbe. Eine Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit eines Führungssystems waren ausreichend und sichere Nachrichtenverbindungen. Anfang der sechziger Jahre wurden im Interesse der Landesverteidigung und der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand erhebliche Anstrengungen auf dem Gebiet des militärischen und des staatlichen Nachrichtenwesens unternommen. Die Wehrkommandos als vorgesehene territoriale militärische Führungsorgane verfügten bis Anfang der sechziger nur über Nachrichtenverbindungen, die lediglich ihrer bisherigen Stellung als territoriale Verwaltungen für die Gewinnung von Freiwilligen für den Dienst in der Nationalen Volksarmee und später für die Einberufung, die Mobilisierung und die Betreuung der Reservisten genügten. Die Wehrkreiskommandos verfügten Anfang der fünfziger Jahre durchweg über keine eigenen Nachrichtenzentralen und in vielen Fällen nur über einen Telefonanschluss und einen Fernschreibanschluss des öffentlichen Netzes, manchmal über eine kleine Wählnebenstellenanlage beispielsweise des Typs KWN V/25 oder eine Vorzimmeranlage/Reihenanlage (DIVA, EVA, RENA) die von Vorzimmerkräften bedient wurden. Dem Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung, Oberst Georg Reymann, wurde die Aufgabe gestellt, innerhalb einer kurzen Frist vom Ministerium für Nationale Verteidigung als dem Sitz des Führungsstabes des Nationalen Verteidigungsrates zu allen und auch zwischen allen Wehrbezirkskommandos als den territorialen Führungsstäben der Bezirkseinsatzleitungen eigene und stabile Fernsprech- und Fernschreibverbindungen durch ein eigenes und vom Armeefernsprech-/-fernschreibnetz unabhängiges und für den Verteidigungszustand vorzuhaltendes und dafür bestimmtes Fernsprech- und Fernschreibnetz zu schaffen. Die Streitkräfte der Nationalen Volksarmee verfügten zu diesem Zeitpunkt bereits über ein eigenes Fernsprech- und Fernschreibnetz mit eigenen Nachrichtenzentralen. Dieses Netz wurde abgekürzt mit AFN bezeichnet. Es war in den fünfziger Jahren durch die Verwaltung Unterkunft aufgebaut worden. Das Armee-Fernsprech- und Fernschreibnetz der NVA (AFN) war ein weitgehend automatisiertes Fernsprech-/Fernschreibnetz, das fast alle Dienststellen direkt erreichte. Die meisten Teilnehmer konnten von ihren Fernsprechapparaten aus ihren gewünschten Teilnehmer in anderen Dienststellen direkt anwählen, auch wenn dessen Dienstort hunderte Kilometer entfernt war. In den Fällen, in denen es zum Teilnehmer oder zur Vermittlung einer Dienststelle keine wahlfähige Verbindung gab, wurde die Verbindung über einen Bedienplatz(Vermittlungsplatz) und OB-Leitungen hergestellt. Als Vermittlungstechnik wurden in den großen Vermittlungsstellen Groß-Wählnebenstellenanlagen mit Komponenten der Basa-Technik eingesetzt, deshalb die Abkürzung GWN/Basa mit GWN als Abkürzung für die Groß-Wählnebenstellenanlage und Basa für die Bahnselbstanschlußanlage. In kleineren Dienststellen, die reine Endstellen im Netz waren, wurden auch kleine Wählnebenstellenanlagen oder mittlere Wählnebenstellenanlagen beispielsweise die KWN V/25 mit 5 Amtsleitungen und 25 Teilnehmern oder später die MSN VII/70 eingesetzt. In manchen Dienststellen war nur eine Vorzimmeranlage, beispielsweise eine DIVA 68(?) oder eine Reihenanlage RENA 67(?) vorhanden. Nichts hätte näher gelegen, als das Armeefernsprechnetz für die Belange der Wehrkommandos auszubauen. Dagegen sprach 1. Das bestehende Armeefernsprechnetz war der militärischen Hierarchie der Streitkräfte folgend strukturiert und nicht territorial und diente vorrangig dem täglichen Dienst. 2. Vorgegebenes Ziel war es, ein unabhängiges Netz zu Sicherung der Nachrichtenverbindungen der Wehrkommandos als militärische Stäbe der Einsatzleitungen (Bezirkseinsatzleitungen, Kreiseinsatzleitungen) im Verteidigungszustand schaffen. In der Verwaltung Nachrichten wurde untersucht, wie ein solches territorial strukturiertes, unabhängiges Netz zu schaffen sei. Eine Möglichkeit wurde in Konsultationen mit der Abteilung Fernmeldewesen beim Zentralkomitee der SED geprüft. Der Parteiapparat verfügte über ein territorial gegliedertes und vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibnetz mit den Mitarbeitern der Kreisleitungen und Bezirksleitungen als Teilnehmer. Die Mitarbeiter im Richtfunknetz der SED waren ausgesuchte und gut ausgebildete Fachleute und verfügten über langjährige Erfahrungen. Die Abteilung Fernmeldewesen verfügte über einen gut organisierten technischen und operativen Betriebsdienst. In Brandenburg befand sich eine Ausbildungsstätte und in Jessen ein eigenes zentrales Lager. Die technischen Anlagen und die Gebäude des Netzes befanden sich im Eigentum der SED. Das Netz stützte sich auf Übertragungswege mit Richtfunkverbindungen und wurde als Richtfunknetz der SED bezeichnet.

Sonntag, 2. Februar 2014

Richtfunknetz der NVA - Grundsätzliches


Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war ein vom Armee-Fernsprech- und Fernschreibnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibwählnetz der Nationalen Volksarmee.
Es war eine Massnahme des Chefs Nachrichten im MfNV zur Verbesserung der  Nachrichtenverbindungen besonders der territorialen Stäbe (Wehrkommandos. Militärbezirke).
Eine Nutzung war einem festgelegten Teilnehmerkreis auch im täglichen Dienst möglich. Wegen der möglichen Aufklärung der Gespräche war bei Gesprächsaufnahme ein Hinweis vorgeschrieben.
Übergänge vom Richtfunknetz in Fersprech- und Fernschreibnetz waren vorhanden, aber in der Regel nicht oder beschränkt nutzbar. Eine Nutzung im täglichen Dienst war nur bedingt über den Bedienplatz möglich.
Das Richtfunknetz überlagerte das vorhandene Armeefernsprech- und Fernschreibnetz. Bei teilweisem oder vollständigem Ausfall von Verbindungen im Armee- und Fernsprechnetz konnten über das Richtfunknetz die notwendigen Verbindungen erhalten werden.
So gesehen sicherte das Richtfunknetz Verbindungen im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war Teil der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee stellte Nachrichtenverbindungen der militärischen Führungsorgane der Landesverteidigung
  • des Führungsstabes des Nationalen Verteidigungsrates
  • der Wehrbezirkskommandos als militärische Führungsorgane der Bezirkseinsatzleitungen,
  • der Wehrkreiskommandos als militärische Führungsorgane der Kreiseinsatzleitungen,
  • der Kommandos der Militärbezirke als militärische Territorialstäbe
sicher.

Im Interesse des Zusammenwirkens mit den Stäben der Streitkräfte waren
  • die Kommandos der Teilstreitkräfte und der Grenztruppen,
  • Stäbe von Verbänden, Truppenteilen und Einheiten,
  • ausgewählte Dienststellen
an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen.

Nach der Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee im Jahre 1969 wurden
  • (Ausweich-) Führungsstellen über Fernmeldekabel an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen und
  • in (Ausweich-)Führungsstellen Richtfunkendstellen des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee aufgebaut oder vorbereitet.
Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee stützte sich auf Einrichtungen (Richtfunkstellen) des Richtfunknetzes der SED.

Für die Unterbringung der fernmeldetechnischen Anlagen und Einrichtungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurden Anlagen und Richtfunkstellen des Richtfunknetzes der SED erweitert.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war territorial – nach Bezirken – organisiert und verfügte über Fernsprech- und Fernschreibvermittlungen, die in Bezirksrichtfunkzentralen und in Bereichsrichtfunkzentralen untergebracht waren.

In den oben aufgeführten Stäben – mit Ausnahme der Wehrkreiskommandos – waren, sofern die baulichen Voraussetzungen bestanden, Richtfunkendstellen eingerichtet oder vorbereitet.

Die Wehrkreiskommandos waren über die Richtfunkendstellen in den Kreisleitungen der SED an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee wurde im Zeitraum von 1963 bis etwa 1967 geplant, im Zeitraum von etwa 1966 bis 1969 errichtet und im Jahre 1969 in Betrieb genommen.

Die fernmeldetechnischen Anlagen (Richtfunkgeräte, Vermittlungseinrichtungen, Übertragungseinrichtungen u.a.m.), die Ausrüstungen (Fahrzeuge, Messgeräte u.a.m.) wurden vom Ministerium für Nationale Verteidigung nach den dafür geltenden militärischen Bestimmungen geplant und beschafft und mit der Inbetriebnahme des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee in das Eigentum der SED - bis auf die Ausrüstung der Überwachungsbereiche laut Stellen- und Ausrüstungsnachweis (STAN) - überführt.

Als Vermittlungsanlagen waren modifizierte GWN/Basa-Anlagen und modifizierte TW55-Anlagen eingesetzt.
In den Übertragungswegen (Richtfunkstrecken) wurden Richtfunkgeräte RVG 924E  eingesetzt.
Als Übertragungstechnik wurden für die Fernsprechkanäle Trägerfrequenzgeräte TTF-4 und TTF-4S (modifiziertes Trägerfrequenzgerät TTF-4) und für die Fernschreibkanäle das Wechselstrom-Telegrafiegerät WTT-6 genutzt.

Für die Unterbringung der Einrichtungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurden in Verantwortung der Fundament GmbH 
  • die Richtfunkstellen auf dem Keulenberg bei Usadel in der Nähe von Neustrelitz
  • die Richtfunkstelle auf dem Sorgenberg bei Machern in der Nähe von Leipzig
  • die Richtfunkstelle bei Phöben in der Nähe von Werder
neu gebaut und
  • an den Bezirksrichtfunkstellen und an vielen anderen Richtfunkstellen des Richtfunknetzes der SED
Anbauten und Veränderungen vorgenommen.

In den Objekten
  • der Wehrbezirkskommandos
  • der Kommandos der Teilstreitkräfte und der Grenztruppen
  • der Kommandos der Militärbezirke
  • der Stäbe von Verbänden und Truppenteilen
wurden Richtfunkendstellen in Verantwortung der zuständigen Unterkunfts-abteilung der Nationalen Volksarmee baulich vorbereitet und
  • das Objekt der Hauptrichtfunkzentrale auf dem Golm bei Stülpe in der Nähe von Luckenwalde
in Verantwortung der Unterkunftsabteilung Potsdam rekonstruiert.

Das Sekretariat des Zentralkomitees stimmte der Nutzung durch die NVA zu.

Durch den Minister für Nationale Verteidigung wurde im Jahre 1965 ein Befehl über die Errichtung und den Betrieb des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee erlassen.

Die Neu- und Anbauten wurden durch das Ministerium für Nationale Verteidigung in Auftrag gegeben und gingen, bis auf das Objekt der Hauptrichtfunkzentrale, mit der Fertigstellung in das Eigentum der SED über.

Der technische Betriebsdienst im Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee, auch in den Richtfunkendstellen in den Objekten der Nationalen Volksarmee und in der Hauptrichtfunkzentrale, wurde durch Mitarbeiter der Abteilungen Fernmeldewesen bei den Bezirksleitungen der SED wahrgenommen.

Für den operativen Betriebsdienst im Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee wurden drei Überwachungsbereiche – die Überwachungsbereiche I…III ( Mitte, Nord, Süd)– gebildet.
Dienstorte der Überwachungsbereiche waren
  • für den Überwachungsbereich I die Hauptrichtfunkzentrale auf dem Golm bei Stülpe
  • für den Überwachungsbereich II die Bereichsrichtfunkzentrale auf dem Keulenberg bei Usadel
  • für den Überwachungsbereich III die Bereichsrichtfunkzentrale auf dem Sorgenberg bei Machern.
Die Überwachungsbereiche überwachten die ständige Betriebsbereitschaft aller Verbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee, auch der über Richtfunkverbindungen des Richtfunknetzes der SED geführten.
Das Personal der Überwachungsbereiche bestand aus Berufssoldaten der Nationalen Volksarmee.
Die Versorgung der Überwachungsbereiche wurde von den Versorgungsbereichen wahrgenommen.

Die Bewachung und Sicherung der Richtfunkstellen, auch der Hauptrichtfunkzentrale, oblag Kräften des Ministeriums des Inneren.

Für die Planung und Leitung des Aufbaus bis zur Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurde aus drei Mitarbeitern der Verwaltung Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung eine Aufbaugruppe gebildet. Diese Aufbaugruppe nahm 1963/1964 ihre Arbeit auf und beendete ihre Arbeit mit der Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee im Jahre 1969.
Dienstort der Aufbaugruppe war das Haus des Zentralkomitees der SED.
Die Mitarbeiter der Aufbaugruppe waren gleichzeitig Mitarbeiter der Fundament GmbH, Abteilung Technologie.

Die Geräte und Anlagen wurden durch Aufbaubrigaden der Abteilungen Fernmeldewesen der Bezirksleitungen aufgebaut und in Betrieb genommen.