Sonntag, 23. März 2014

Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee - Streckenübersicht (Auszug) 

Vorab zu einem neuen, demnächst folgenden  Eintrag hier eine nicht vollständige Darstellung der Strecken des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee, rekonstruiert aus der Erinnerung.
Die Lage einiger Richtfunkstellen und deren Bezeichnungen wurde auf ihre Richtigkeit anhand von Rückfragen bei Herbert S. (Bezirk Dresden) und Bernd S. (Cottbus) und anhand einer Karte des Schmalbandrichtfunknetzes der DP (Stand 1984) gegengeprüft und in einigen Fällen berichtigt.

 Die Darstellung ist keine topografische Karte und soll einen Überblick über das Netz verschaffen. So wurden Richtfunkstrecken im Bezirk Karl-Marx-Stadt eingetragen, die nicht vom Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee nur genutzt, also nicht geplant und errichtet wurden.
Dagegen sind die Richtfunkstrecken zu den Endstellen bei den Wehrbezirkskommandos, den  Stäben von Verbänden und Kommandos der Teilstreitkräfte nicht eingetragen. (S3....Sx)
So ungefähr sah auch das Grundsatzdokument für das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee aus, das im Ministerium für Nationale Verteidigung als Arbeitspapier kursierte. Nur war es nicht so schön farbig, wie es heute möglich ist. Die hinterlegte Karte existierte tatsächlich schon damals und gehörte zu den Arbeitsmitteln.
Die später errichtete Richtfunkstelle Woldzegarten im Bezirk Neubrandenburg wurde zusätzlich eingetragen.

Zu den Vorplanungen zum Richtfunknetz der NVA

Zu den Vorplanungen zum  Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA)


Dieser Eintrag ist wiederum ein Auszug aus einem größeren Text als eine Vorabveröffentlichung.
Zum vollen Verständnis wäre die Kenntnis eines vorangehenden Abschnittes zum Richtfunknetz der SED glücklicher. Aus verschiedenen Gründen wird die Veröffentlichung zurückgestellt. Dazu gehören auch die Klärung von Namensnennungen und Bildrechten. In diesem Beitrag sind deshalb nur Namensnennungen 'öffentlicher Personen' zu finden.
Dafür bitte ich um Verständnis und Geduld.
In diesen Beiträgen werden keine persönlichen Wertungen vorgenommen, das ist dem 'größeren Text' vorbehalten.
In einem gesonderten Eintrag werde ich auf die Entscheidungen des Nationalen Verteidigungsrates, das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee betreffend, eingehen.
Ein Hinweis zum Lesen sei gestattet.
In manchen Publikationen wird mit Begriffsbestimmungen und -inhalten oft nachlässig umgegangen. Beispielsweise wird nicht darauf geachtet, dass das Zentralkomitee der SED kein Verhandlungspartner des Ministeriums für Nationale Verteidigung war und sein konnte, Partner des Ministeriums für Nationale Verteidigung war immer das Sekretariat des Zentralkomitees.
In diesen Einträgen wird versucht, die Begriffe korrekt zu verwenden, sollte doch hin und wieder davon abgewichen werden, so ist das schlichtweg übersehen.

Das Richtfunknetz der SED bot alle Voraussetzungen für den Aufbau eines Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee zu Sicherstellung der Nachrichtenverbindungen der Führungsstäbe des Nationalen Verteidigungsrates im Verteidigungszustand.
Aus diesem Grunde wurde in Gesprächen die Möglichkeiten einer Nutzung des Richtfunknetzes der SED in diesem Sinne erörtert.

Erleichtert wurden Gespräche zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Sekretariat des Zentralkomitee zur Errichtung eines Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) auch, weil der Leiter der Abteilung Fernmeldewesen Helmut Weihrauch  ehemals Abteilungsleiter in der Verwaltung Nachrichten gewesen war.
Georg Reymann und Helmut Weihrauch kannten sich also persönlich.

Nach ersten Gesprächen stimmte das Sekretariat des Zentralkomitee der SED dem Vorhaben zu,  gab jedoch vor:

1. Der Parteiapparat der SED und damit die Abteilung Fernmeldewesen mit dem Richtfunknetz der SED war, konnte und durfte kein Dienstleister des Ministerium für Nationale Verteidigung sein oder werden. Für die Sicherstellung der Nachrichtenverbindungen im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates im Verteidigungszustand war das Ministerium für Nationale Verteidigung zuständig.
Das entsprach auch dem Selbstverständnis des Parteiapparates.
2. Die materiellen, personellen und finanziellen Aufwendungen des Aufbaus und des Betriebes des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) einschließlich der Aufwendungen im Richtfunknetz der SED habe das Ministerium für Nationale Verteidigung zu tragen.
3. Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sei unabhängig vom Richtfunknetz der SED zu betreiben. Die Abteilung Fernmeldewesen werde entgeltlich den technischen Betriebsdienst sichern.
4. Das Ministerium für Nationale Verteidigung habe den Aufbau des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) einschließlich der Veränderungen im Richtfunknetz der SED zu planen, zu projektieren und zu leiten. Die Abteilung Fernmeldewesen habe lediglich zu unterstützen, sofern es Belange des Richtfunknetzes der SED beträfe.

Nach dieser grundsätzlichen Übereinstimmung wurden die Zielstellung und die Vorgaben zur Verwirklichung eines  im Verteidigungszustand vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernschreib- und Fernschreibnetz für die Führungsstäbe im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates  unter Nutzung des Richtfunknetzes der SED durch Mitarbeiter der Verwaltung Nachrichten und der Abteilung Fernmeldewesen im Zentralkomitee der SED erarbeitet. 

Das geplante Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee sollte ein Fernsprech-/Fernschreibnetz sein, in dem die Teilnehmer die gewünschte Verbindung durch Wählen selber aufbauen konnten und sollte sich demgemäß auf Vermittlungsanlagen stützen.

Die Wählvermittlungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sollten in den Bezirksrichtfunkzentralen des Richtfunknetz der SED aufgebaut sein.

Das Richtfunknetz sollte alle Führungsstäbe im Führungssystem im Verteidigungszustand miteinander verbinden und und auch bei gegnerischen Handlungen gegen Teile des Netzes nutzungsfähig bleiben. Ein Teil dieses Personenkreises sollten Direktteilnehmer des Netzes sein, demnach über eine ihnen zugeordnete Rufnummer erreichbar sein.

Darüber hinaus sollten die Kommandos der Teilstreitkräfte, der Grenztruppen und der Militärbezirke und andere Stäbe das Netz nutzen können.

Um diese Vorgaben zu erfüllen, waren die Vermittlungen für Anschlüsse von Direktteilnehmern und mit Querverbindungen zu bestehenden Vermittlungen des Armeefernsprech-/fernschreibnetzes zu schaffen. Die Querverbindungen sollten erst im Verteidigungszustand aktiviert werden.

Die notwendigen Übertragungskanäle zwischen den Vermittlungen und zu den Teilnehmern sollten  über Richtfunkverbindungen bereitgestellt werden.

Die Leiter der Wehrkreiskommandos sollten über örtliche Kabelverbindungen im Netz der Deutschen Post (DP) mit den Endstellen des Richtfunknetzes der SED bei den Kreisleitungen der SED verbunden werden.

Den technischen Betriebsdienst, das war vor allem die Wartung und die Entstörung,  sollten technische Mitarbeiter Kräfte der Abteilungen Fernmeldewesen bei den Bezirksleitungen der SED übernehmen.

Die Überwachung der Betriebsfähigkeit der Verbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) sollte Personal der Nationalen Volksarmee übernehmen.

Im Jahre 1963 wurden die notwendigen Aufwendungen im Richtfunknetz der SED im Zusammenhang mit der Errichtung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) erfasst.

Beteiligt waren von Seiten der Abteilung Fernmeldewesen beim Zentralkomitee der SED Siegmar Knecht für die Richtfunkverbindungen, Wolfgang Burucker für die Fernmeldeanlagen, Fritz Hoffmann für die baulichen Anlagen, Gerhard Gutmann für die Sicherheitsfragen. Seitens des Ministeriums für Nationale Verteidigung waren Erhard Horn und später hinzukommend Horst Zinke beteiligt.

Es war von vornherein abzusehen, dass das Richtfunknetz der SED nicht über alle notwendigen baulichen und anlagentechnischen Voraussetzung für die Entfaltung eines solchen Netzes verfügte.

Die für den Anschluss der Wehrkreiskommandos (Leiter Wehrkreiskommando)  notwendigen Kanäle konnten in den Endstellen der Kreisleitungen bereitgestellt werden
Für die Verbindungen zwischen den Führungsstäben  konnten die erforderliche Anzahl von Fernsprechkanälen und Fernschreibkanälen  nicht ohne Erweiterungen der Richtfunkstrecken bereitgestellt werden.
Es müssten zusätzliche Richtfunkverbindungen im zweistelligen Bereich aufgebaut werden.
In den vorhandenen Betriebsräumen der Richtfunkstellen konnten die zusätzlich notwendigen Flächen für die Vermittlungen, die Übertragungstechnik und die Richtfunkgeräte nicht zur Verfügung gestellt werden.
Im Richtfunknetz der SED müssten eine Reihe von übertragungstechnischen Anlagen umgerüstet werden.
Zwei Bezirksrichtfunkzentralen (Potsdam und Leipzig) müssten umgesetzt werden, weil ihre Nutzung wegen ihrer Lage im Stadtgebiet nicht möglich war. Die Zielstellung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee verlangte eine Lage der Richtfunkzentralen außerhalb von Ortschaften, das traf auf Leipzig und Potsdam nicht zu. Im Bezirk Neubrandenburg wurde die Bereichsrichtfunkzentrale bei Usadel errichtet, die Bezirksrichtfunkzentrale lag am östlichen Stadtrand von Neubrandenburg.
Das Richtfunknetz der SED war um drei Richtfunkzentralen auf dem Keulenberg nahe der Ortschaft Usadel bei Neustrelitz, auf einer Anhöhe beim Ort Phöben nahe Werder und auf dem Sorgenberg nahe der Ortschaft Machern zu Lasten des Ministeriums für Nationale Verteidigung zu erweitern.
Auf dem Golm bei Stülpe war die Hauptrichtfunkzentrale des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) in einer ehemaligen Richtfunkstelle der Deutschen Post einzurichten.
An über zwanzig Richtfunkzentralen bzw. Richtfunkstellen des Richtfunknetz der SED waren bauliche Erweiterungen (Anbauten) notwendig, da die Betriebsflächen für die Aufnahme der zusätzlichen Anlagen nicht ausreichten.
In über zwanzig Objekten der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) waren neue Richtfunkendstellen zu errichten.
Das Wehrbezirkskommando in der Hauptstadt der DDR Berlin konnte aus Sicherheitsgründen (Aufklärung) keine eigene Richtfunkendstelle erhalten sondern müsste über Drahtverbindungen an die nächstgelegene Bezirksrichtfunkzentrale (Hauptrichtfunkzentrale)  angeschlossen werden. Die Nutzung des geplanten Fernsehturms Berlin wurde abgelehnt.
Für das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) könnten die notwendigen Richtfunkfrequenzen (Richtfunkkanäle) im Frequenzband des Richtfunknetz der SED nicht bereitgestellt werden.
Der technische Betriebsdienst im Richtfunknetz der SED musste erweitert werden.
Die notwendigen Planungs-, Projektierungs- und Führungsleistungen für die Errichtung des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA)  könnten nicht durch Personal des Richtfunknetzes der SED zusätzlich erbracht werden.
Die Beschaffung der zusätzlichen Geräte und Ausrüstungen müsste das Ministerium für Nationale Verteidigung absichern.
Die Überwachung der Verbindungen des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) hätte das Ministerium für Nationale Verteidigung zu sichern. Dazu wären drei Überwachungsbereiche Nord (II), Mitte (I) und Süd (III) zu bilden, wovon der Überwachungsbereich I (Mitte) der vorgesetzte Überwachungsbereich für die beiden Überwachungsbereiche Nord und Süd sein sollte.
Einzig für die Montage der technischen Anlagen wären die technischen Kräfte bei den Bezirksleitungen einsetzbar.
Aus Gründen der Geheimhaltung und der Sicherheit bezüglich der Struktur und des Betriebes des Richtfunknetz der SED müssten alle Bauleistungen und auch die Bauprojektierungsleistungen von der Fundament GmbH als einem parteieigenem Betrieb übernommen werden.

Der Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung Oberst Georg Reymann entschloss sich deshalb, eine Aufbaugruppe aus drei Mitarbeitern der Verwaltung zu bilden und sie mit der Planung und Leitung des Aufbaus des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) zu betrauen.

Die erste und wichtigste Aufgabe war, die notwendigen Erweiterungen des Richtfunknetzes der SED zu ermitteln.

Im Zuge dieser Vorarbeiten waren im wesentlichen die grundsätzliche Struktur der Richtfunkverbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee durch die Gruppe mit Erhard H., Wolfgang B. und Siegmar K. festgelegt.

Die Standorte der neuen Richtfunkstellen wurden mit einem bewährten Verfahren gefunden.

Das wichtigste Hilfsmittel dabei war ein Relief der des Territoriums der DDR.
Die Krümmung des Reliefs war den Ausbreitungsbedingungen der Richtfunkwellen angepaßt. Untergebracht war das Relief in einem völlig lichtdichten Raum in einem Kellergeschoß im Gebäude des Zentralkomitees.

Das Standortfindungsverfahren am Relief war einfach und verblüffend.
An  den Standorten der geplanten oder vorhandenen Richtfunkstellen wurde eine speziell präparierte kleine Glühlampe, wie sie in Taschenleuchten verwendet wurde, angebracht und eingeschaltet. Der Raum wurde für die Zeit des Verfahrens völlig abgedunkelt. Über dem Relief war ein Fotoapparat angebracht, der die Ausleuchtung des Reliefs festhielt. Auf der Aufnahme zeichneten sich beispielsweise benachbarte Anhöhen oder oder auch Flächen als helle Flecken  oder Flächen ab. Die Ausleuchtung war so ein Abbild der Ausbreitung der Richtfunkstrahlen. Zuletzt wurde eine Karte der DDR mit den Ortsnamen eingeblendet, so dass die Lage der erreichbaren Zonen rekonstruierbar war. Durch unterschiedliche Helligkeitsstufen konnte sogar die erreichbare Dämpfung abgeschätzt werden.
Der Vater des Verfahrens war Helmut Weihrauch.

Auf diese Weise waren die Standorte der drei neuen Richtfunkstellen bei Phöben, Usadel und Machern gefunden worden, genauer, ihre Nutzbarkeit nachgewiesen.
Gleichzeitig war nachgewiesen, welche anderen Richtfunkstellen von diesen Standorten erreichbar waren.
Ein Beispielbild ist oben  zu sehen, es diente dem Nachweis der Erreichbarkeit anderer Richtfunkstellen vom Standort Phöben aus.
Der Standort Phöben ist in dem Bild durch den dunklen, kreisrunden Fleck in der Mitte des Bildes markiert. Erkennbar ist, dass von Phöben aus der Golm bei Stülpe, das ist die 'Wolke'  rechts unten im Bild, erreichbar war.

Freitag, 14. März 2014

Zur Aufklärung des Richtfunknetzes - Grenzen und Möglichkeiten


Richtfunknetz der NVA – aufgeklärt, bedeutungslos oder Bedeutung verloren, Schweigenetz?

In einigen Internetveröffentlichungen, insbesondere bei Joachim Kampe, wird erklärt, das Richtfunknetz der NVA sei bereits in den sechziger Jahren durch die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr aufgeklärt worden. Das habe zu einer starken Eingrenzung der Nutzung geführt und die Zahl der berechtigten Nutzer sei deshalb erheblich eingegrenzt worden. Und nicht zuletzt sei der automatische Zugang in das Richtfunknetz der NVA auch deshalb technisch gesperrt worden. Auch habe das Richtfunknetz durch die Errichtung des Sondernetzes 1 für die tägliche Kommunikation weiter an Bedeutung verloren. (Quellen : Wikipedia „Richtfunknetz der Partei“ Datum 13.03.2014, jobakampe.magix.net „Wahrheit und Fälschung“ Datum 13.03.2014

Im Eintrag vom 02.Februar 2014 in diesem Blog  ist lesen, das Richtfunknetz der NVA ist als ein Fernsprech-/Fernschreibnetz der territorialen Führungsorgane für den Verteidigungszustand und für einen begrenzten Teilnehmerkreis geplant und errichtet worden. Eine Nutzung im ‚täglichen Dienst‘ für alle Teilnehmer in der NVA war nie vorgesehen gewesen. Ohne Zweifel und verständlicherweise haben einige Teilnehmer des Netzes nach der Inbetriebnahme des Richtfunknetz der NVA sich mit dem Netz vertraut gemacht und ‚gewählt‘.
Querverbindungen zwischen dem Armeefernsprechnetz und dem Richtfunknetz waren von vornherein geplant und vorbereitet, aber auch von vornherein für den täglichen Dienst gesperrt. Die Sperre konnte jederzeit aufgehoben werden und zwar auf besondere Weisung. Beispielsweise wäre es im Verteidigungszustand bei Ausfall der ortsfesten Vermittlungsstelle möglich geworden. Die zu wählende Ziffernfolge war in jedem Fernsprechverzeichnis ausgewiesen.
Die Vermittlungstechnik ATZ 65N und die ENA 64/128/256 boten die Möglichkeit, bestimmten Teilnehmern die Nutzung der Querverbindungen zu ermöglichen.
Mit dem weiteren Ausbau des Führungssystems wurden in den siebziger und in den achtziger Jahren bis zum Zeitpunkt der Außerbetriebnahme im Jahre 1990 weitere Stäbe und Führungsstellen (HNZ) - ‚Bunker‘ Harnekop beispielsweise - und Ausweichführungsstellen der Einsatzleitungen an das Richtfunknetz der NVA angeschlossen. Das Richtfunknetz wurde nach der Inbetriebnahme zielstrebig und entsprechend der geplanten Verwendung weiter ausgebaut. Auch wurde mit dem Bau der Richtfunkstelle bei Woldzegarten mit einem Aufwand von etwa 1,5 MioM eine 'Lücke' im Nordraum gefüllt
Das Richtfunknetz der NVA hatte von Beginn an eine eigene, unveränderte Bedeutung. 
Daran änderte auch der begonnene Aufbau des Sondernetzes 1 nichts, da das Richtfunknetz der NVA eine andere Funktion im Führungssystem für den Verteidigungszustand als das Sondernetz 1 hatte, das Richtfunknetz war keine ‚Minivariante‘ des Sondernetzes 1. Die Planung des Sondernetzes 1 begann Ende der sechziger Jahre. Vielleicht sollte das in einem gesonderten Blog geschildert werden, so die Zeit und die Kraft noch reicht. Allein die Erarbeitung einer gerätetechnischen Lösung bis zur ATZ 65B war ein mehrjähriger Kraftakt..
Die ersten Überlegungen zum Aufbau eines Integrierten Stabsnetzes (Sondernetz 1) nahmen bereits Mitte der sechziger Jahre Gestalt an, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen.
Selbst nach der 'Übergabe' des Richtfunknetzes der SED an das MPF änderte sich nichts an der Bedeutung des Richtfunknetz, es wurde unverändert weiter betrieben.
Für das grundsätzliche Verständnis zum Richtfunknetz der NVA ist der zeitlich erste Eintrag vom 02.Februar 2014 wichtig. Sicher wird dieser Eintrag zum noch besseren Verständnis zu verändern sein, aber bitte nicht heute.
Es sei wiederholt, das Richtfunknetz der NVA war ein Nachrichtennetz, das erst mit Beginn des Verteidigungszustandes aktiviert worden wäre. Es war nicht für den täglichen Dienst gedacht.

In den besagten Veröffentlichungen wird der Bedeutungsverlust vor allem mit der erfolgreichen gewesenen Aufklärung durch die Bundeswehr begründet.
Nun waren die Planer des Richtfunknetzes keinesfalls Ignoranten oder Deppen, die eine mögliche Aufklärung ‚vernachlässigt‘ hatten. Das Richtfunknetz der NVA war keinesfalls ein tot geborenes Kind und keinesfalls zum Zeitpunkt der Planung und Inbetriebnahme mit dem Verlust seiner Bedeutung behaftet.
Den Planern war schon bewusst, dass Richtfunkverbindungen aufgeklärt werden konnten. Ihnen waren die technischen Möglichkeiten und Mittel einer Aufklärung auch bekannt.
Beide Seiten, die östliche und auch die westliche, verfügten über annähernd die gleichen Aufklärungsmittel und -methoden und setzten sie auch ein.
Und obwohl Funkverbindungen und auch Richtfunkverbindungen aufgeklärt wurden und werden konnten, wurden Funk- und Richtfunkverbindungen auf beiden Seiten entfaltet und betrieben. Vielleicht um der anderen Seite Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren? Kleiner Scherz.
Im Übrigen, die Aufklärung der mit Feldnachrichtenmittel beispielsweise mit R-404 entfalteten Verbindungen war ergiebiger als die des stationären Richtfunknetzes der NVA. Das bestätigte sich schon in den sechziger Jahren.
Trotzdem wurden ein Richtfunkregiment 2 gebildet, wurden in den Nachrichtenkompanien der Wehrbezirkskommandos Richtfunktrupps RT 415 eingebunden.
Ähnliches gilt für Richtfunk- und den Funkmittel der Teilstreitkräfte.
Mit der möglichen und notwendigen Aufklärung muss gelebt werden. Und darauf muss bei der Planung Rücksicht genommen werden. Das ist auch bei der Planung des Richtfunknetzes der NVA bedacht worden.
Nun ist die Aufklärung ein weites Feld und es ist nicht Anliegen dieses Blogs, auf die Philosophie der Aufklärung einzugehen, dazu fehlen auch die Voraussetzungen.
Erstes Erfordernis war es, eine Aufklärung zu erschweren. Darauf zielen wohl alle militärischen Aktivitäten einer Anti-Aufklärung.
Und eine Aufklärung muss auch eine Information und zwar eine bedeutsame Information erbringen.
Das ist Sache der Auswertung.
Abschließend ist nur festzustellen, die mögliche Aufklärung durch die Bundeswehr – so es die gegeben hat – hat keinesfalls zu einem Bedeutungsverlust und zur Außerbetriebnahme des Richtfunknetzes der NVA geführt.
Danke für das Lesen.
Der nächste Eintrag kommt gewiss.

Mittwoch, 12. März 2014

Zur Vorgeschichte des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) Der nachfolgende Abschnitt beruht auf Erinnerungen aus der Zeit der Planung und des Aufbaus gibt Erinnerungen an Dokumente, Gespräche, Beratungen, Einweisungen und ähnliches aus den Jahren 1964 bis 1969 wieder.
Der Aufbau des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee war ein Teil der Maßnahmen zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand. Andere Maßnahmen waren beispielsweise die Errichtung eines Grundnetzes, die Einrichtung von Ausweichobjekten, der Bau von Führungsstellen, die Vorbereitung der Wirtschaft auf den Verteidigungszustand. Die damalige politische und militärische Führung der DDR des Zeitraumes um das Jahr 1960 ging davon aus, dass ein möglicher Krieg sich auszeichnen würde durch militärische Operationen auf dem Territorium des Angreifers Truppen- und Nachschubbewegungen auf dem Territorium der DDR und später auf dem Territorium des Angreifers Zerstörungen auf dem Gebiet der DDR und dem des Angreifers Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung des Nachrichten-, des Verkehrs- und des Gesundheitswesens und der Wirtschaft Außerdem rechnete die politische und militärische Führung der DDR mit Handlungen von Kräften des Gegners auf dem Territorium der DDR zur Lähmung der Verteidigungsfähigkeit. Zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand wurde neben anderem Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und der Versorgung der Bevölkerung und damit auch der Versorgung der Streitkräfte und zur Sicherung der Operationsfreiheit, auch der Nachschub- und Versorgungswege ein territoriales Führungssystem für den Verteidigungszustand mit dem Nationalen Verteidigungsrat und Bezirkseinsatzleitungen aufgebaut An der Spitze des Führungssystems stand der Nationale Verteidigungsrat, ihm direkt unterstellt waren die Bezirkseinsatzleitungen. Die territorialen militärischen Führungsorgane in diesem Führungssystem im Verteidigungszustand sollten die Wehrbezirkskommandos sein, die Führungsstäbe der Bezirkseinsatzleitungen. Damit bekamen die Wehrbezirkskommandos und später auch die Wehrkreiskommandos einen völlig neuen Stellenwert, aus Verwaltungen wurden militärische Stäbe. Eine Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit eines Führungssystems waren ausreichend und sichere Nachrichtenverbindungen. Anfang der sechziger Jahre wurden im Interesse der Landesverteidigung und der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand erhebliche Anstrengungen auf dem Gebiet des militärischen und des staatlichen Nachrichtenwesens unternommen. Die Wehrkommandos als vorgesehene territoriale militärische Führungsorgane verfügten bis Anfang der sechziger nur über Nachrichtenverbindungen, die lediglich ihrer bisherigen Stellung als territoriale Verwaltungen für die Gewinnung von Freiwilligen für den Dienst in der Nationalen Volksarmee und später für die Einberufung, die Mobilisierung und die Betreuung der Reservisten genügten. Die Wehrkreiskommandos verfügten Anfang der fünfziger Jahre durchweg über keine eigenen Nachrichtenzentralen und in vielen Fällen nur über einen Telefonanschluss und einen Fernschreibanschluss des öffentlichen Netzes, manchmal über eine kleine Wählnebenstellenanlage beispielsweise des Typs KWN V/25 oder eine Vorzimmeranlage/Reihenanlage (DIVA, EVA, RENA) die von Vorzimmerkräften bedient wurden. Dem Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung, Oberst Georg Reymann, wurde die Aufgabe gestellt, innerhalb einer kurzen Frist vom Ministerium für Nationale Verteidigung als dem Sitz des Führungsstabes des Nationalen Verteidigungsrates zu allen und auch zwischen allen Wehrbezirkskommandos als den territorialen Führungsstäben der Bezirkseinsatzleitungen eigene und stabile Fernsprech- und Fernschreibverbindungen durch ein eigenes und vom Armeefernsprech-/-fernschreibnetz unabhängiges und für den Verteidigungszustand vorzuhaltendes und dafür bestimmtes Fernsprech- und Fernschreibnetz zu schaffen. Die Streitkräfte der Nationalen Volksarmee verfügten zu diesem Zeitpunkt bereits über ein eigenes Fernsprech- und Fernschreibnetz mit eigenen Nachrichtenzentralen. Dieses Netz wurde abgekürzt mit AFN bezeichnet. Es war in den fünfziger Jahren durch die Verwaltung Unterkunft aufgebaut worden. Das Armee-Fernsprech- und Fernschreibnetz der NVA (AFN) war ein weitgehend automatisiertes Fernsprech-/Fernschreibnetz, das fast alle Dienststellen direkt erreichte. Die meisten Teilnehmer konnten von ihren Fernsprechapparaten aus ihren gewünschten Teilnehmer in anderen Dienststellen direkt anwählen, auch wenn dessen Dienstort hunderte Kilometer entfernt war. In den Fällen, in denen es zum Teilnehmer oder zur Vermittlung einer Dienststelle keine wahlfähige Verbindung gab, wurde die Verbindung über einen Bedienplatz(Vermittlungsplatz) und OB-Leitungen hergestellt. Als Vermittlungstechnik wurden in den großen Vermittlungsstellen Groß-Wählnebenstellenanlagen mit Komponenten der Basa-Technik eingesetzt, deshalb die Abkürzung GWN/Basa mit GWN als Abkürzung für die Groß-Wählnebenstellenanlage und Basa für die Bahnselbstanschlußanlage. In kleineren Dienststellen, die reine Endstellen im Netz waren, wurden auch kleine Wählnebenstellenanlagen oder mittlere Wählnebenstellenanlagen beispielsweise die KWN V/25 mit 5 Amtsleitungen und 25 Teilnehmern oder später die MSN VII/70 eingesetzt. In manchen Dienststellen war nur eine Vorzimmeranlage, beispielsweise eine DIVA 68(?) oder eine Reihenanlage RENA 67(?) vorhanden. Nichts hätte näher gelegen, als das Armeefernsprechnetz für die Belange der Wehrkommandos auszubauen. Dagegen sprach 1. Das bestehende Armeefernsprechnetz war der militärischen Hierarchie der Streitkräfte folgend strukturiert und nicht territorial und diente vorrangig dem täglichen Dienst. 2. Vorgegebenes Ziel war es, ein unabhängiges Netz zu Sicherung der Nachrichtenverbindungen der Wehrkommandos als militärische Stäbe der Einsatzleitungen (Bezirkseinsatzleitungen, Kreiseinsatzleitungen) im Verteidigungszustand schaffen. In der Verwaltung Nachrichten wurde untersucht, wie ein solches territorial strukturiertes, unabhängiges Netz zu schaffen sei. Eine Möglichkeit wurde in Konsultationen mit der Abteilung Fernmeldewesen beim Zentralkomitee der SED geprüft. Der Parteiapparat verfügte über ein territorial gegliedertes und vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibnetz mit den Mitarbeitern der Kreisleitungen und Bezirksleitungen als Teilnehmer. Die Mitarbeiter im Richtfunknetz der SED waren ausgesuchte und gut ausgebildete Fachleute und verfügten über langjährige Erfahrungen. Die Abteilung Fernmeldewesen verfügte über einen gut organisierten technischen und operativen Betriebsdienst. In Brandenburg befand sich eine Ausbildungsstätte und in Jessen ein eigenes zentrales Lager. Die technischen Anlagen und die Gebäude des Netzes befanden sich im Eigentum der SED. Das Netz stützte sich auf Übertragungswege mit Richtfunkverbindungen und wurde als Richtfunknetz der SED bezeichnet.