Freitag, 14. März 2014

Zur Aufklärung des Richtfunknetzes - Grenzen und Möglichkeiten


Richtfunknetz der NVA – aufgeklärt, bedeutungslos oder Bedeutung verloren, Schweigenetz?

In einigen Internetveröffentlichungen, insbesondere bei Joachim Kampe, wird erklärt, das Richtfunknetz der NVA sei bereits in den sechziger Jahren durch die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr aufgeklärt worden. Das habe zu einer starken Eingrenzung der Nutzung geführt und die Zahl der berechtigten Nutzer sei deshalb erheblich eingegrenzt worden. Und nicht zuletzt sei der automatische Zugang in das Richtfunknetz der NVA auch deshalb technisch gesperrt worden. Auch habe das Richtfunknetz durch die Errichtung des Sondernetzes 1 für die tägliche Kommunikation weiter an Bedeutung verloren. (Quellen : Wikipedia „Richtfunknetz der Partei“ Datum 13.03.2014, jobakampe.magix.net „Wahrheit und Fälschung“ Datum 13.03.2014

Im Eintrag vom 02.Februar 2014 in diesem Blog  ist lesen, das Richtfunknetz der NVA ist als ein Fernsprech-/Fernschreibnetz der territorialen Führungsorgane für den Verteidigungszustand und für einen begrenzten Teilnehmerkreis geplant und errichtet worden. Eine Nutzung im ‚täglichen Dienst‘ für alle Teilnehmer in der NVA war nie vorgesehen gewesen. Ohne Zweifel und verständlicherweise haben einige Teilnehmer des Netzes nach der Inbetriebnahme des Richtfunknetz der NVA sich mit dem Netz vertraut gemacht und ‚gewählt‘.
Querverbindungen zwischen dem Armeefernsprechnetz und dem Richtfunknetz waren von vornherein geplant und vorbereitet, aber auch von vornherein für den täglichen Dienst gesperrt. Die Sperre konnte jederzeit aufgehoben werden und zwar auf besondere Weisung. Beispielsweise wäre es im Verteidigungszustand bei Ausfall der ortsfesten Vermittlungsstelle möglich geworden. Die zu wählende Ziffernfolge war in jedem Fernsprechverzeichnis ausgewiesen.
Die Vermittlungstechnik ATZ 65N und die ENA 64/128/256 boten die Möglichkeit, bestimmten Teilnehmern die Nutzung der Querverbindungen zu ermöglichen.
Mit dem weiteren Ausbau des Führungssystems wurden in den siebziger und in den achtziger Jahren bis zum Zeitpunkt der Außerbetriebnahme im Jahre 1990 weitere Stäbe und Führungsstellen (HNZ) - ‚Bunker‘ Harnekop beispielsweise - und Ausweichführungsstellen der Einsatzleitungen an das Richtfunknetz der NVA angeschlossen. Das Richtfunknetz wurde nach der Inbetriebnahme zielstrebig und entsprechend der geplanten Verwendung weiter ausgebaut. Auch wurde mit dem Bau der Richtfunkstelle bei Woldzegarten mit einem Aufwand von etwa 1,5 MioM eine 'Lücke' im Nordraum gefüllt
Das Richtfunknetz der NVA hatte von Beginn an eine eigene, unveränderte Bedeutung. 
Daran änderte auch der begonnene Aufbau des Sondernetzes 1 nichts, da das Richtfunknetz der NVA eine andere Funktion im Führungssystem für den Verteidigungszustand als das Sondernetz 1 hatte, das Richtfunknetz war keine ‚Minivariante‘ des Sondernetzes 1. Die Planung des Sondernetzes 1 begann Ende der sechziger Jahre. Vielleicht sollte das in einem gesonderten Blog geschildert werden, so die Zeit und die Kraft noch reicht. Allein die Erarbeitung einer gerätetechnischen Lösung bis zur ATZ 65B war ein mehrjähriger Kraftakt..
Die ersten Überlegungen zum Aufbau eines Integrierten Stabsnetzes (Sondernetz 1) nahmen bereits Mitte der sechziger Jahre Gestalt an, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen.
Selbst nach der 'Übergabe' des Richtfunknetzes der SED an das MPF änderte sich nichts an der Bedeutung des Richtfunknetz, es wurde unverändert weiter betrieben.
Für das grundsätzliche Verständnis zum Richtfunknetz der NVA ist der zeitlich erste Eintrag vom 02.Februar 2014 wichtig. Sicher wird dieser Eintrag zum noch besseren Verständnis zu verändern sein, aber bitte nicht heute.
Es sei wiederholt, das Richtfunknetz der NVA war ein Nachrichtennetz, das erst mit Beginn des Verteidigungszustandes aktiviert worden wäre. Es war nicht für den täglichen Dienst gedacht.

In den besagten Veröffentlichungen wird der Bedeutungsverlust vor allem mit der erfolgreichen gewesenen Aufklärung durch die Bundeswehr begründet.
Nun waren die Planer des Richtfunknetzes keinesfalls Ignoranten oder Deppen, die eine mögliche Aufklärung ‚vernachlässigt‘ hatten. Das Richtfunknetz der NVA war keinesfalls ein tot geborenes Kind und keinesfalls zum Zeitpunkt der Planung und Inbetriebnahme mit dem Verlust seiner Bedeutung behaftet.
Den Planern war schon bewusst, dass Richtfunkverbindungen aufgeklärt werden konnten. Ihnen waren die technischen Möglichkeiten und Mittel einer Aufklärung auch bekannt.
Beide Seiten, die östliche und auch die westliche, verfügten über annähernd die gleichen Aufklärungsmittel und -methoden und setzten sie auch ein.
Und obwohl Funkverbindungen und auch Richtfunkverbindungen aufgeklärt wurden und werden konnten, wurden Funk- und Richtfunkverbindungen auf beiden Seiten entfaltet und betrieben. Vielleicht um der anderen Seite Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren? Kleiner Scherz.
Im Übrigen, die Aufklärung der mit Feldnachrichtenmittel beispielsweise mit R-404 entfalteten Verbindungen war ergiebiger als die des stationären Richtfunknetzes der NVA. Das bestätigte sich schon in den sechziger Jahren.
Trotzdem wurden ein Richtfunkregiment 2 gebildet, wurden in den Nachrichtenkompanien der Wehrbezirkskommandos Richtfunktrupps RT 415 eingebunden.
Ähnliches gilt für Richtfunk- und den Funkmittel der Teilstreitkräfte.
Mit der möglichen und notwendigen Aufklärung muss gelebt werden. Und darauf muss bei der Planung Rücksicht genommen werden. Das ist auch bei der Planung des Richtfunknetzes der NVA bedacht worden.
Nun ist die Aufklärung ein weites Feld und es ist nicht Anliegen dieses Blogs, auf die Philosophie der Aufklärung einzugehen, dazu fehlen auch die Voraussetzungen.
Erstes Erfordernis war es, eine Aufklärung zu erschweren. Darauf zielen wohl alle militärischen Aktivitäten einer Anti-Aufklärung.
Und eine Aufklärung muss auch eine Information und zwar eine bedeutsame Information erbringen.
Das ist Sache der Auswertung.
Abschließend ist nur festzustellen, die mögliche Aufklärung durch die Bundeswehr – so es die gegeben hat – hat keinesfalls zu einem Bedeutungsverlust und zur Außerbetriebnahme des Richtfunknetzes der NVA geführt.
Danke für das Lesen.
Der nächste Eintrag kommt gewiss.