Sonntag, 2. Februar 2014

Richtfunknetz der NVA - Grundsätzliches


Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war ein vom Armee-Fernsprech- und Fernschreibnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibwählnetz der Nationalen Volksarmee.
Es war eine Massnahme des Chefs Nachrichten im MfNV zur Verbesserung der  Nachrichtenverbindungen besonders der territorialen Stäbe (Wehrkommandos. Militärbezirke).
Eine Nutzung war einem festgelegten Teilnehmerkreis auch im täglichen Dienst möglich. Wegen der möglichen Aufklärung der Gespräche war bei Gesprächsaufnahme ein Hinweis vorgeschrieben.
Übergänge vom Richtfunknetz in Fersprech- und Fernschreibnetz waren vorhanden, aber in der Regel nicht oder beschränkt nutzbar. Eine Nutzung im täglichen Dienst war nur bedingt über den Bedienplatz möglich.
Das Richtfunknetz überlagerte das vorhandene Armeefernsprech- und Fernschreibnetz. Bei teilweisem oder vollständigem Ausfall von Verbindungen im Armee- und Fernsprechnetz konnten über das Richtfunknetz die notwendigen Verbindungen erhalten werden.
So gesehen sicherte das Richtfunknetz Verbindungen im Führungssystem des Nationalen Verteidigungsrates.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war Teil der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee stellte Nachrichtenverbindungen der militärischen Führungsorgane der Landesverteidigung
  • des Führungsstabes des Nationalen Verteidigungsrates
  • der Wehrbezirkskommandos als militärische Führungsorgane der Bezirkseinsatzleitungen,
  • der Wehrkreiskommandos als militärische Führungsorgane der Kreiseinsatzleitungen,
  • der Kommandos der Militärbezirke als militärische Territorialstäbe
sicher.

Im Interesse des Zusammenwirkens mit den Stäben der Streitkräfte waren
  • die Kommandos der Teilstreitkräfte und der Grenztruppen,
  • Stäbe von Verbänden, Truppenteilen und Einheiten,
  • ausgewählte Dienststellen
an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen.

Nach der Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee im Jahre 1969 wurden
  • (Ausweich-) Führungsstellen über Fernmeldekabel an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen und
  • in (Ausweich-)Führungsstellen Richtfunkendstellen des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee aufgebaut oder vorbereitet.
Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee stützte sich auf Einrichtungen (Richtfunkstellen) des Richtfunknetzes der SED.

Für die Unterbringung der fernmeldetechnischen Anlagen und Einrichtungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurden Anlagen und Richtfunkstellen des Richtfunknetzes der SED erweitert.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee war territorial – nach Bezirken – organisiert und verfügte über Fernsprech- und Fernschreibvermittlungen, die in Bezirksrichtfunkzentralen und in Bereichsrichtfunkzentralen untergebracht waren.

In den oben aufgeführten Stäben – mit Ausnahme der Wehrkreiskommandos – waren, sofern die baulichen Voraussetzungen bestanden, Richtfunkendstellen eingerichtet oder vorbereitet.

Die Wehrkreiskommandos waren über die Richtfunkendstellen in den Kreisleitungen der SED an das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee angeschlossen.

Das Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee wurde im Zeitraum von 1963 bis etwa 1967 geplant, im Zeitraum von etwa 1966 bis 1969 errichtet und im Jahre 1969 in Betrieb genommen.

Die fernmeldetechnischen Anlagen (Richtfunkgeräte, Vermittlungseinrichtungen, Übertragungseinrichtungen u.a.m.), die Ausrüstungen (Fahrzeuge, Messgeräte u.a.m.) wurden vom Ministerium für Nationale Verteidigung nach den dafür geltenden militärischen Bestimmungen geplant und beschafft und mit der Inbetriebnahme des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee in das Eigentum der SED - bis auf die Ausrüstung der Überwachungsbereiche laut Stellen- und Ausrüstungsnachweis (STAN) - überführt.

Als Vermittlungsanlagen waren modifizierte GWN/Basa-Anlagen und modifizierte TW55-Anlagen eingesetzt.
In den Übertragungswegen (Richtfunkstrecken) wurden Richtfunkgeräte RVG 924E  eingesetzt.
Als Übertragungstechnik wurden für die Fernsprechkanäle Trägerfrequenzgeräte TTF-4 und TTF-4S (modifiziertes Trägerfrequenzgerät TTF-4) und für die Fernschreibkanäle das Wechselstrom-Telegrafiegerät WTT-6 genutzt.

Für die Unterbringung der Einrichtungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurden in Verantwortung der Fundament GmbH 
  • die Richtfunkstellen auf dem Keulenberg bei Usadel in der Nähe von Neustrelitz
  • die Richtfunkstelle auf dem Sorgenberg bei Machern in der Nähe von Leipzig
  • die Richtfunkstelle bei Phöben in der Nähe von Werder
neu gebaut und
  • an den Bezirksrichtfunkstellen und an vielen anderen Richtfunkstellen des Richtfunknetzes der SED
Anbauten und Veränderungen vorgenommen.

In den Objekten
  • der Wehrbezirkskommandos
  • der Kommandos der Teilstreitkräfte und der Grenztruppen
  • der Kommandos der Militärbezirke
  • der Stäbe von Verbänden und Truppenteilen
wurden Richtfunkendstellen in Verantwortung der zuständigen Unterkunfts-abteilung der Nationalen Volksarmee baulich vorbereitet und
  • das Objekt der Hauptrichtfunkzentrale auf dem Golm bei Stülpe in der Nähe von Luckenwalde
in Verantwortung der Unterkunftsabteilung Potsdam rekonstruiert.

Das Sekretariat des Zentralkomitees stimmte der Nutzung durch die NVA zu.

Durch den Minister für Nationale Verteidigung wurde im Jahre 1965 ein Befehl über die Errichtung und den Betrieb des Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee erlassen.

Die Neu- und Anbauten wurden durch das Ministerium für Nationale Verteidigung in Auftrag gegeben und gingen, bis auf das Objekt der Hauptrichtfunkzentrale, mit der Fertigstellung in das Eigentum der SED über.

Der technische Betriebsdienst im Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee, auch in den Richtfunkendstellen in den Objekten der Nationalen Volksarmee und in der Hauptrichtfunkzentrale, wurde durch Mitarbeiter der Abteilungen Fernmeldewesen bei den Bezirksleitungen der SED wahrgenommen.

Für den operativen Betriebsdienst im Richtfunknetz der Nationalen Volksarmee wurden drei Überwachungsbereiche – die Überwachungsbereiche I…III ( Mitte, Nord, Süd)– gebildet.
Dienstorte der Überwachungsbereiche waren
  • für den Überwachungsbereich I die Hauptrichtfunkzentrale auf dem Golm bei Stülpe
  • für den Überwachungsbereich II die Bereichsrichtfunkzentrale auf dem Keulenberg bei Usadel
  • für den Überwachungsbereich III die Bereichsrichtfunkzentrale auf dem Sorgenberg bei Machern.
Die Überwachungsbereiche überwachten die ständige Betriebsbereitschaft aller Verbindungen des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee, auch der über Richtfunkverbindungen des Richtfunknetzes der SED geführten.
Das Personal der Überwachungsbereiche bestand aus Berufssoldaten der Nationalen Volksarmee.
Die Versorgung der Überwachungsbereiche wurde von den Versorgungsbereichen wahrgenommen.

Die Bewachung und Sicherung der Richtfunkstellen, auch der Hauptrichtfunkzentrale, oblag Kräften des Ministeriums des Inneren.

Für die Planung und Leitung des Aufbaus bis zur Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee wurde aus drei Mitarbeitern der Verwaltung Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung eine Aufbaugruppe gebildet. Diese Aufbaugruppe nahm 1963/1964 ihre Arbeit auf und beendete ihre Arbeit mit der Inbetriebnahme des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee im Jahre 1969.
Dienstort der Aufbaugruppe war das Haus des Zentralkomitees der SED.
Die Mitarbeiter der Aufbaugruppe waren gleichzeitig Mitarbeiter der Fundament GmbH, Abteilung Technologie.

Die Geräte und Anlagen wurden durch Aufbaubrigaden der Abteilungen Fernmeldewesen der Bezirksleitungen aufgebaut und in Betrieb genommen.