Dienstag, 1. September 2015

Zur Geschichte der Gerätetechnik der Alarmierungssysteme in der NVA

Einleitung 

Die politische und militärische Führung der DDR ging von 'ständig wachsenden Aggressionsbereitschaft der NATO' und damit von einer real existierenden und zunehmenden Bedrohung der DDR aus. ( Direktive Verteidigungsbereitschaft vom 23.06.1980)
In Erwartung einer militärischen Auseinandersetzung wurde die DDR auf den Verteidigungszustand vorbereitet (Vorbereitung des Landes, Landesvorbereitung). Dazu gehörten vor allem der Aufbau einer Führungsstruktur an deren Spitze der Nationale Verteidigungsrat stand. Elemente der Führungsstruktur waren auch die Führungsbereiche, die Einsatzleitungen der Bezirke und Kreise und die Hauptabteilungen bei den Staats- und Wirtschaftsorganen.
Eine besondere Rolle kam in der Führungsstruktur dem Zentralen Nachrichten- und Informationsbüro zu.
Zur Vorbereitung des Landes gehörten auch die Anpassung der Infrastruktur, das waren vor allem der Ausbau der Verkehrswege und der Aufbau eines Grundnetzes des Staatlichen Nachrichtenwesens und die Bildung von Staatsreserven.
Neben Maßnahmen zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand war auch 'die Überführung des Landes vom Frieden auf die Bedingungen des Verteidigungszustandes' zu regeln 'und die Reaktionsfähigkeit der Landesverteidigung der DDR' zu erhöhen. (Direktive Verteidigungsbereitschaft, 1980)
Das galt auch und vornehmlich für die NVA.
Wenngleich die NVA als der ständig unter Waffen stehende Teil der Bevölkerung immer bereit und in der Lage war, auf bewaffnete Angriffe zu reagieren, hatte sich die militärische Lage seit Gründung der NVA doch verändert.
Die NVA befand sich auch in einem 'Friedenszustand', sie bereitete sich auf einen möglichen Krieg vor in der Hoffnung, dass es nie zu einem Krieg kommen würde. 
Die Streitkräfte mussten bereit und in der Lage sein aus diesem 'Friedenszustand' in den 'Verteidigungszustand' überzugehen. Dazu bedurfte es immer einen Befehl in Form einer 'Alarmierung'. Auf diesen Befehl hin wurde die NVA oder wurden Teile der NVA vom Friedenszustand in die Gefechtsbereitschaft versetzt.
Der 'Friedenszustand' veränderte sich seit den sechziger Jahren.
In den Anfangsjahren war es üblich, dass beispielsweise in den Waffenkammern die Handfeuerwaffen und nur geringe Mengen an Munition eingelagert waren. Ebenso war auch beispielsweise die Artilleriemunition in den Munitionslagern nach Arten sortiert noch konserviert. Beim Übergang auf den Verteidigungszustand mussten zusätzliche Munition für die Handfeuerwaffen zugeführt werden und die Artilleriemunition entkonserviert werden.
Schon Ende der fünfziger Jahre waren in den Waffenkammern ein Teil des Kampfsatzes – ich meine, es waren 0,5 KS – eingelagert.
Die Artilleriemunition war entkonserviert und war nach Einheiten und nach Kampfsätzen sortiert eingelagert.
In den achtziger Jahren standen Fahrzeuge aufmunitioniert in gesonderten Parkzonen.
Der Friedenszustand war die 'Ständige Gefechtsbereitschaft'.
Für das Soldatenleben brachte diese Ständige Gefechtsbereitschaft erhebliche Einschränkungen, besonders was den Ausgang, die Freizeit und den Urlaub betraf. Aus diesem Zustand (dieser Stufe) der Ständigen Gefechtsbereitschaft wurden die Streitkräfte auf Befehl in höhere Stufen der Gefechtsbereitschaft überführt. Folgende Stufen gab es neben der Ständigen Gefechtsbereitschaft :
die erhöhte Gefechtsbereitschaft (EG),
die Gefechtsbereitschaft bei Kriegsgefahr (GK),
die volle Gefechtsbereitschaft (VG)
Die Auslösung höherer Stufen wurde im allgemeinen Sprachgebrauch als 'Alarmierung' bezeichnet. Höhere Stufen der Gefechtsbereitschaft für die gesamte DDR (und auch der Einsatzbereitschaft) wurden auf Befehl des Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR ausgelöst. In seinem Auftrag konnte auch der Minister für Nationale Verteidigung eine höhere Stufe auslösen.
 Für die NVA gab es allerdings eine Ausnahme. Für sie konnte eine höhere Stufe der Gefechtsbereitschaft direkt durch den Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte ausgelöst werden. Der Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates der DDR wurde nachträglich davon informiert.
Und es gab noch eine zweite Ausnahme. Im Falle eines 'überraschenden Einbruchs gegnerischer Kräfte' konnten festgelegte Kommandeure der NVA und der Grenztruppen der DDR für ihren Bereich die Volle Gefechtsbereitschaft auslösen.
Es gab noch weitere Festlegungen zur Auslösung, auf die hier nicht einzugehen ist. Die höheren Stufen der Gefechtsbereitschaft konnten ausgelöst werden
erstens persönlich durch den Auslösenden
 zweitens über Nachrichtenverbindungen durch Übermittlung eines Signals und der x-Zeit oder durch Fernauslösung einer technischen Alarmierungseinrichtung drittens mit schriftlichem Befehl
Für die Auslösung höherer Stufen der Gefechtsbereitschaft war ein funktionssicheres System zu schaffen und ständig aufrechtzuerhalten. (Alarmierungssystem)
Personell wurde das durch ein System von 24-Stunden-Diensten (Diensthabende) erreicht.
Verantwortlich für die technische Sicherstellung der Übermittlung von Signalen war die Nachrichtentruppe, für die gesamte Nationale Volksarmee die Verwaltung Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung.
In der Verwaltung Nachrichten wurde diese Aufgabe dem Stellvertreterbereich Landesvorbereitung (LV) übertragen.
Die für die Übermittlung der Signale und der x-Zeit über Nachrichtenverbindungen notwendigen technischen Einrichtungen wurden allgemein unter dem Begriff 'Alarmierungssysteme' zusammengefasst.
Der Begriff 'Alarmierungssystem' ist aus verschiedenen Gründen zu eng gefasst. Erstens standen diese technischen Einrichtungen auch der Kommunikation der Diensthabenden zur Verfügung.
Zweitens wurden nicht nur Signale zur Auslösung höherer Stufen der Gefechtsbereitschaft übertragen, sondern auch Signale der Warnung über drohende Gefahren(beispielsweise KCB-Alarm).
Drittens dienten die technischen Einrichtungen auch der Benachrichtigung von Personen. Richtiger war es, von einem System der Alarmierung, Warnung und Benachrichtigung (AWB-System) und dementsprechend auch von technischen Einrichtungen der Alarmierung, Warnung und Benachrichtigung zu sprechen. Das wurde in Dokumenten auch so gehandhabt.
Darüber hinaus wurden bei bestimmten Stäben Operative Führungszentren eingerichtet. Solche 'Operativen Führungszentren/Gefechtsstände' befanden sich beispielsweise beim Hauptstab und bei den Kommandos der Teilstreitkräfte.
Die technischen Einrichtungen der Diensthabenden wurden Bestandteil der Operativen Führungszentren, weshalb die nachrichtentechnische Einrichtung beim Diensthabenden zu einer Operativen Führungsanlage wurde.
Ich meine, damit genug über den Gesamtzusammenhang berichtet und damit das Verständnis für die nachfolgenden Zeilen erleichtert zu haben.
Im folgenden geht es um die Geschichte der nachrichtentechnischen Einrichtungen bei den Operativen Diensthabenden.

Zur Geschichte der Alarmierungssysteme/Operativen Führungsanlagen

Voraussetzung der Alarmierung, Warnung und Benachrichtigung war die Existenz von ständigen Diensthabenden. Das waren die Operativen Diensthabenden (OpD), die Offiziere vom Dienst (OvD) und die Unteroffiziere vom Dienst (UvD).
Zur Erinnerung, ein 'Alarm' wurde entweder persönlich durch den Kommandeur/Chef/Leiter oder durch die Vorlage eines schriftlichen Befehls oder durch einen Anruf mit der Durchsage eines Codewortes ('Signal'). ausgelöst. Im letzteren Fall war eine Prüfung auf 'Wahrhaftigkeit' erforderlich. Auf die Einzelheiten des Ablaufs dabei soll nicht eingegangen werden.
Bei den Operativen Diensthabenden und den Offizieren vom Dienst wurden sehr bald besondere Arbeitstische aufgestellt und mit Nachrichten- und Arbeitsmitteln ausgestattet.
Diese Tische - sie erhielten den Namen 'Objekt 1000 - wurden von den Quartier- und Nutzungsabteilungen (QNA) und später von den Unterkunftsabteilungen (UKA) beschafft und durch Funk- und Fernmeldeanlagenbaubetriebe eingebaut.
Die Hauptnachrichtenmittel waren eine kleine Fernsprechanlage (modifizierte Vorzimmeranlage) und eine Wechselsprechanlage (WLxx). Dazu kamen noch einige Leucht- und Tastenfelder für die Steuerung beispielsweise von Sirenen oder Hupen. Ein kleines Gestell nahm die ankommenden und abgehenden Leitungen auf. Hergestellt wurden die Gerätesätze anfangs von einem Handwerksbetrieb in Erfurt in der Trommsdorfer Straße, später von der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH), die zuletzt ein kleiner Volkseigener Betrieb (VEB) wurde.
Die Einführung des Objektes 1000 in die NVA begann vermutlich bereits in den fünfziger Jahren noch unter Regie von Lothar Meinung. Sie hatten sich über Jahrzehnte bewährt, genügten aber sehr bald nicht mehr den veränderten Aufgaben der Operativen Diensthabenden.
Im Bereich des Kommandos LSK/LV wurden wegen der spezifischen Bedingungen auch eigene Arbeitsplätze und Gerätesätze eingeführt. So gab es eine besondere Fernsprechanlage, um beispielsweise Direktverbindungen zu Diensthabenden von Einheiten sicherzustellen. Das Objekt 1000 stützte sich dagegen ausschließlich auf die vorhandene Nachrichtenzentrale ab.
Wie weiter vorn beschrieben wandelten sich die Aufgaben des Operativen Diensthabenden in den siebziger Jahren, er hatte nicht nur das auslösende Signal zu übermitteln, er hatte auch den Ablauf des Übergangs zu einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft zu verfolgen.
Diesen veränderten Anforderungen wurde die bisherige Anlage Objekt 1000 nicht gerecht. Bei den immer wieder vorgenommenen Überprüfungen der Auslösung stellten sich Schwachpunkte heraus.
Das auslösende Signal wurde über eine Fernsprechverbindung im Armeefernsprechnetz im allgemeinen über Selbstwählverbindungen übermittelt.
Das erforderte Zeit und war schwerfällig.
Sehr oft kam die Verbindung nicht sofort zustande, der Anruf musste wiederholt werden.
Der Empfang des Signals musste durch einen Rückruf verifiziert werden. Abgehende und ankommende Anrufe überdeckten sich oft.
Einschränkungen konnten nicht variiert werden.
Wie der Übergang zu einer höheren Stufe ablief, konnte der Operative Diensthabende (OpD) nur durch Rückruf oder über eine Meldung ermitteln.
Das Ganze verlangte auch ein hohes Maß an Konzentration. Oft kam es zu Missverständnissen. Die Übermittlung der Signale und eingehende Meldungen konnten nicht protokolliert werden.
So entstand die Zielvorstellung im Stellvertreterbereich, eine neue Generation einer Operativen Führungsanlage in den achtziger Jahren zu entwickeln und ab 1991 in der Nationalen Volksarmee einzuführen.
Als Arbeitstitel und auch aus Respekt vor den technischen Leistungen der Vorgängerversionen, aber im Hinblick auf die erweiterten Funktionen wurde dem zukünftigen Gerätesatz der Name 'OFA 1002' oder ausgeschrieben 'Operative Führungsanlage 1002'. gegeben. Mit dem Namen wurde auch signalisiert, dass es sich auch um ein, die operative Führung unterstützendes Gerätesystem handeln sollte.
Leider waren etwa Mitte der siebziger Jahre die Arbeitstische der Objekte 1000 in vielen Dienststellen verschlissen und mussten dringend ersetzt werden. Gezwungenermaßen wurde deshalb eine Neuauflage des Bedientisches - allerdings modernisiert - unter der Bezeichnung 'Objekt 1000M' in die Nationale Volksarmee eingeführt.
Die grundlegenden Leistungsmerkmale der neuen Operativen Führungsanlage waren sehr bald fixiert.
Die Anlage sollte eine Kombination aus Alarmierungs- und Fernsprechanlage sein. Kernstück der Anlage sollte eine digitale, programmierbare Fernsprech- und Alarmierungsanlage mit Komponenten der bereits fortgeschrittenen Entwicklungsversion der elektronischen Nachrichtenanlage ENA 64 sein.
Die Anlage ENA war in der Entwicklung und sollte schrittweise alle Fernsprechvermittlungen mit Hebdrehwählern (GWN/Basa) und Koordinatenschaltern (MSN70, ATZ65N) in den Dienststellen der NVA ablösen. In einem Schrank mit einer Höhe von etwa 160cm, einer Tiefe von etwa 24 cm und einer Breite von 60 cm war eine komplette Nebenstellenanlage für 64 Teilnehmer untergebracht. (Für die Maßangaben kann ich nicht bürgen, ich habe sie so im Gedächtnis rekonstruiert). Elektronische Koppelpunkte ersetzten die traditionellen Relais, Wähler und Koordinatenschalter. Gesteuert wurde die Anlage von einem 8bit-Rechner. Als Massenspeicher diente ein Kassettengerät.
Die Entwicklung der Grundvariante ENA 64 – mit 64 Teilnehmern – war so weit abgeschlossen, dass eine Übernahme in die operative Führungsanlage möglich war. Durch Kopplung von Anlagen der ENA wäre es möglich gewesen, Fernsprechanlagen auch mit 128 und 256 Teilnehmern zu verwirklichen. Mit dieser Baureihe waren alle in der NVA eingesetzten Nebenstellenanlagen ersetzbar. Durch die Steuerung mittels Computer war eine höhere Flexibilität im Einsatz möglich. Auch war die Leistungsaufnahme der Anlagen bedeutend geringer. Und ganz nebenbei war der Flächenbedarf vernachlässigbar.
Der auf der der Anlage ENA 64 beruhende Kern der Operativen Führungsanlage konnte sowohl Fernsprechstandleitungen als auch Fernsprechwählleitungen aufnehmen und sollte auch die Anschaltung von Direktteilnehmern in der Dienststelle und in Wohnungen gestatten.
Ergänzt wurde die Fernsprechanlage durch zwei neue Komponenten.
Die erste Komponente war ein automatischer Rufnummerngeber, heute eine Selbstverständlichkeit. Die damaligen Fernsprechverbindungen arbeiteten noch mit Impulswahl, der Rufnummerngeber musste somit Wahlimpulsfolgen erzeugen. Der Prototyp leistete mir noch bis Anfang 1990 gute Dienste und wurde einem nach Koblenz versetzten Mitarbeiter (Oberstleutnat Birkhold) als Erinnerungsstück überreicht. Für heutige Verhältnisse war es ein Monstrum. Die Rufnummern wurden einzeln mit Stiften in einer Lochplatte programmiert.
Die zweite Komponente war ein Gesprächsaufzeichnungsgerät. Es sollte alle Gespräche des Diensthabenden automatisch rund um die Uhr aufzeichnen. Die Suche nach einem solchen Gerät war nicht einfach.
In Ungarn wurde ein solches Gerät hergestellt. Es war ein Schrankgerät mit einem Magnetbandspeicher. Ein solches Gerät war nicht verwendbar.
Schließlich fand sich in Oberlind bei dem VEB RFT Sonneberg ein geeignetes Kassettengerät, das Gerät SK 300. Vor allem die verwendete Steuerung und der Zwei-Motorenantrieb ließ eine Kopplung zweier Geräte zu einer Einheit zu. Damit konnte eine ununterbrochene und sogar sprachgesteuerte Aufzeichnung verwirklicht werden. War eine Kassette 'voll', schaltete das Gerät auf das zweite Laufwerk und signalisierte den fälligen Kassettenwechsel.
Während der Fernsprechteil im wesentlichen durch neue Funktionen und Möglichkeiten erweitert wurde, war der Alarmierungsteil völlig neu.
Bisher wurden das Signal selbst als Codewort und die x-Zeit nach Herstellen der Fernsprechverbindung mündlich übermittelt. Der Empfangende nahm das Codewort entgegen, stellte seinerseits eine Fernsprechverbindung her und quittierte den Empfang.
In der neuen Anlage wählte der Auslösende die zu benachrichtigenden Empfangenden mittels Tastendruck aus, wählte die zu übertragenden Signale und Einschränkungen aus, gab die x-Zeit ein und löste die Übertragung über eine zentrale Taste aus. Die Eingaben wurden digitalisiert und als eine Bitfolge mittels eines Modems über Fernsprechverbindungen zu den Empfangenden übertragen. Abweichend von der ursprünglichen Idee wurden die Signale nicht zur gleichen Zeit in alle Richtungen übertragen, sondern nacheinander.
Grund waren die Modems, sie waren damals Mangelware, auch für die NVA. Und sie waren auch nicht unbedingt kleine Bauteile.
Die digitale Übertragung erlaubte vor allem die Erweiterung der Anzahl von Signalen, die Beschleunigung der Übertragung und damit die Verkürzung der Zeit der Alarmierung.
Zusätzlich konnten nun Signale für Übungen, Signale für Einschränkungen, Signale zur Warnung und so weiter definiert und übertragen werden. Neu war die Möglichkeit, den Empfang der Signale zu quittieren und Meldung in der Gegenrichtung zu übertragen.
Die Zuordnung eines Signals zu einer Bitfolgen war nicht festgelegt, sondern konnte gewechselt werden. Welchem Signal eine Bitfolge entsprach war nur bei Kenntnis der Zuordnung feststellbar. Irreführende und bedeutungslose Bitfolgen konnten programmiert werden.
Für eine Aufklärung wäre es schwer gewesen, zwischen wahren und falschen Signalen zu unterscheiden und auch aus den Bitfolgen auf ihre Bedeutung zu schließen.
Neu sollte auch sein, dass die Signale nicht nur von einer Führungsebene zur nächsten übermittelt werden konnten, sondern auch über mehrere Führungsebenen und auch in einen anderen Führungsbereich hinein. Dafür wurden Steuerungssignale übertragen. Damit war beispielsweise eine Alarmierung oder eine Benachrichtigung einer speziellen Einheit im Bereich des Grenzkommandos Süd unmittelbar durch den Operativen Diensthabenden im Kommando der Grenztruppen ohne Mitwirkung des Diensthabenden der Brigade möglich. Dem Operativen Diensthabende in der Brigade wurde zwar die Übermittlung angezeigt, aber er konnte sie nur bedingt beeinflussen.
Die korrekte Übertragung eines Signals wurde von der empfangenden Anlage sofort quittiert, die Quittung wurde beim Auslösenden angezeigt.
Durch Tastendruck konnte der Empfangende die erfolgte Ausführung von Handlungen übermitteln, beispielsweise das Verlassen der Dienststelle oder das Beziehen eines befohlenen Raumes außerhalb des Objektes. So konnte der auslösende Operative Diensthabende durch mit Signalen über den Verlauf und den Stand der Alarmierung informiert werden.
Insgesamt ergaben sich durch die technische Lösung völlig neue Möglichkeiten für die Alarmierung,Warnung und Benachrichtigung. Bei den Konsultationen in den Teilstreitkräften wurden bereits Vorschläge diskutiert.
Einen Anlagenteil konnten wir nicht verwirklichen, das war die 'Aktivitätentafel'. Gewünscht war eine Möglichkeit einer grafischen Darstellung über den Ablauf der Auslösung und der Einnahme der höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft beispielsweise in Form einer Leuchttafel. Ideal wäre ein grafische Darstellung auf einem Bildschirm gewesen. Das war damals nicht möglich, so große Bildschirme gab es (noch) nicht. In der Anlage gab es bereits Schnittstellen, die den Anschluss von Bildschirmen ermöglichten.
Besonderer Augenmerk wurde auf die Bedienbarkeit der Anlage gelegt. Beim Objekt 1002 hatten konstruktive Überlegungen die Gestaltung einer Anlage weitgehend bestimmt. Nun waren in der Anlage OFA 1002 die Bedienelemente und Anzeigeelemente unter ergonomischen Gesichtspunkten angeordnet. Mögliche Stresssituationen wurden berücksichtigt und Bedienfehler weitgehend ausgeschlossen. So wurden Bedienelemente funktionell geordnet und auch gedoppelt. Parallel zur Erarbeitung der Anlagenkonzeption übernahm Jürgen E. – damals wohl noch Oberleutnant – die dankenswerte Aufgabe, eine Beschreibung aller notwendigen und/oder wünschenswerten Verbesserungen an der Anlage Objekt 1000 auszuarbeiten. Das ging sogar bis zu der Anzeige der Moskauer Zeit und der Ortszeit! Jürgen E. hatte eine Zeitlang, soweit ich mich erinnere, als Gehilfe Nachrichten beim Operativen Diensthabenden gearbeitet. So konnte er auch aus erster Hand die Vorstellungen der Operativen Diensthabenden einfließen lassen.
Auf Grundlage dieser ersten Vorstellungen war schrittweise ein Entwurf des Pflichtenheftes für die Entwicklung der Operativen Führungsanlage 1002 entstanden. Die Entwürfe wurden bei Konsultationen in den Teilstreitkräften mit den Diensthabenden durchgesprochen und abgestimmt. Ebenso wurde das Vorhaben den Mitarbeitern der Abteilungen Nachrichten der Kommandos der Teilstreitkräfte, Militärbezirke und der Wehrbezirkskommandos vorgestellt und mit ihnen beraten. Fast zeitgleich mit dem Beginn der Entwicklung der neuen Anlage OFA 1002 stellte die Sowjetarmee ein Alarmierungssystem auf der Basis des Gerätesatzes P 161 mit dem Namen 'Schnur' vor. Dieser Gerätesatz war vor allem für die Alarmierung, Warnung und Benachrichtigung bei den Raketentruppen vorgesehen.
An der Vorstellung des Alarmierungssystems Schnur in der UdSSR nahm Paul Kleinwächter teil. Paul Kleinwächter informierte mich so ausführlich wie es ihm möglich war über die propagierten Leistungsmerkmale.
Die grundsätzlichen Merkmale – Übermittlung der Signale und Benachrichtigung – kamen unseren Vorstellungen nahe.
Zur Prüfung eines möglichen Einsatzes als Operative Führungsanlage in der NVA wurde ein kompletter Gerätesatz bestehend aus Hauptsatz, Zusatzsatz und Satz der örtlichen Benachrichtigung auf gemeinsame Empfehlung von Paul Kleinwächter und mir eingekauft.
Sehr bald traf der Gerätesatz im NGL-2 in Rechlin ein und mit ihm auch eine ausführliche Dokumentation bestehend aus handgebundenen Mappen im Folio-Format, jede Mappe gesiegelt und unterschrieben. Das Unangenehme beim Lesen war der Geruch des Knochenleims, der zum Binden verwendet worden war.
Die Dokumentation war handgeschrieben, mit violetter Tinte und in einer tadellosen Handschrift.
Nach Durchsicht der Dokumentation war erkennbar, dass der Gerätesatz tatsächlich in grundlegenden Leistungsmerkmalen unseren Vorstellungen entsprach. Die Signale wurden mit technischen Mitteln über Nachrichtenkanäle übertragen. Dazu diente ein Zusatzsatz.
 Beim Diensthabenden befand sich ein Hauptsatz, an dem die Signale und die Richtungen zusammengestellt wurden. Durch Druck auf einen zentralen und mit einer Sicherungsklappe abgedeckten Knopfes wurde die Übertragung der Signale ausgelöst.
Der Satz der örtlichen Benachrichtigung entsprach weitgehend unseren Vorstellungen.
Die Konstruktion des Gerätesatzes allerdings war den Bedingungen eines Einsatzes unter Feldbedingungen angepasst. Die Gerätesätze bestanden aus Modulen in Stahlgehäusen, die übereinander gestapelt werden konnten. Die Module waren über mitgelieferte Kabelsätze mit Steckverbindungen zu verbinden. Alle Gehäuse mussten über eine gesonderte Leitung mit einer Schutzerde verbunden sein. Insgesamt war der Gerätesatz eher in einer Feldführungsstelle als in einem Operativen Führungszentrum vorstellbar.
Ergonomisch entsprach der Gerätesatz überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Uns störte, dass die Bedienelemente nach konstruktiven und nicht nach ergonomischen Gesichtspunkten angeordnet waren und alle Arbeitsoberflächen aus kühlendem Stahl bestanden.
Die 'innere' Konstruktion war konventionell, eine feste Logik ließ keine Variabilität zu. Wenig komfortabel waren die Möglichkeiten der Rückmeldungen und Bestätigungen. Auch fehlte uns die Möglichkeit der Alarmierung über mehrere Ebenen. Überhaupt nicht befriedigte uns die Lösung mit der Übertragung der Signale über Fernschreibleitungen, möglichst Standleitungen. Die erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit lag bei 50 Baud und weit unter der vorgesehenen und möglichen Übertragungsgeschwindigkeit für die OFA 1002 mit Modems über Fernsprechleitungen.
Trotz aller Zweifel entschlossen wir uns, den Gerätesatz zur Zentralstelle für Nachrichtennetze (ZfN) nach Niederlehme zu überführen, dort aufzubauen und durch eine Gruppe auf ihren möglichen Einsatz in der NVA einschätzen zu lassen.
In der Zentralstelle für Nachrichtennetze gab es hinreichend Fachleute auf den Gebieten Datenfernübertragung (Dr. Wi.), Fernsprechtechnik (Hans K., Günter L.) und Computertechnik (??).
Irgendwann meldete sich die Verwaltung Technik und verkündete, die Bulgarische Volksarmee hätte sich entschlossen, den Gerätesatz P-161 in einer modernisierten Variante als P-161 U zu bauen und allen Armeen des Warschauer Vertrages vorzustellen und anzubieten. Uns blieb nichts weiter übrig, wir folgten der Einladung zu einer Konsultation. Also flogen Dieter Schilling von der Verwaltung Technik und ich nach Sofia. Dort wurden wir willkommen geheißen, durften das Meer der Steine besuchen und das Dimitroff-Mausoleum. Am beeindruckendsten war die Straßenbahn, sie schaukelte wie ein Kamel auf den Schienen durch die Straßen.
Am nächsten Tag ging die Beratung los. Eine nette Obristin vom Militärtechnischen Institut erklärte uns nun den Entwurf zum Gerätesatz P-161U. Ein Dolmetscher der bulgarischen Seite half uns beim Verstehen. Mein Russisch war mangelhaft, das von Dieter S. nicht besser!
Es war tatsächlich eine modernisierte Variante des Gerätesatzes P161. Ob der Gerätesatz besser war, das war so nicht erkennbar.
Wir waren skeptisch, sagten aber eine Prüfung zu. Skeptisch waren wir aus zwei Gründen. Erstens hatten wir mit der Entwicklung der 'OFA 1002' begonnen und waren von unserer Konzeption überzeugt und zweitens waren wir nicht unbedingt von den Fähigkeiten der Bulgaren zur Produktion einer solchen Anlage überzeugt. Immerhin hatten die von den Bulgaren im Rahmen der Spezialisierung im RGW gelieferten Fernsprechvermittlungen nicht unbedingt einen guten Ruf. Nach einer netten Verabschiedung flogen wir in die DDR zurück.
Die Bulgaren luden noch einmal ein. So ging es noch einmal nach Sofia. Dieses Mal flog ich ohne Dieter S., dafür mit Gerhard S., einem perfekt russisch sprechenden Mitarbeiter der Verwaltung. Die Teilnehmer der Konsultation waren dieses Mal hochkarätige Leute, zumindest auf bulgarischer Seite. Die Einladung hatte die deutsche Seite nicht ausschlagen können, da die Konsultation Bestandteil eines internationalen Programms war. Gerhard S. war der Verhandlungsführer der deutschen Seite, ich saß die meiste Zeit daneben und versuchte der Verhandlung zu folgen. Unsere Verhandlungsdirektive war, zuzuhören, uns zu informieren, nichts zusagen, nichts von unseren Plänen zu berichten. Das war nicht schwer, denn mein Russisch war so mangelhaft, dass ich Mühe hatte, den Reden zu folgen. Gerhard S. wiederum kannte das Programm 'OFA 1002' nicht oder zu wenig, um etwas berichten zu können. Wir erfüllten die Verhandlungsdirektive und flogen zurück.
Zwischenzeitlich hatte die Zentralstelle für Nachrichtennetze den aufgebauten Gerätesatz P-161 nach allen Regeln der Kunst geprüft. Und die Mitarbeiter konnten überprüfen und erproben! Was Gnade vor ihren Augen fand, das war tatsächlich brauchbar. Hin und wieder kamen Besucher nach Niederlehme und ließen sich vorführen und berichten. Irgendwann lag das Ergebnis in Form eines Berichtes vor. Es wurde empfohlen, den Gerätesatz P161 nicht als Operative Führungsanlage in der NVA einzuführen. Dieser Empfehlung wurde gefolgt.
Für die Modernisierung des Alarmierungssystems kam nicht das Alarmierungssystem 'Schnur' mit dem Gerätesatz P-161 in Frage, sondern die Operative Führungsanlage 1002 als eine Eigenentwicklung in der DDR.
Hauptgründe waren die weitaus besseren Leistungsmerkmale der geplanten Operativen Führungsanlage OFA 1002, die mangelnde Eignung der Konstruktion des Gerätesatzes P-161 für den stationären Einsatz, die Nutzung von Fernschreibkanälen für die Übertragung der Signale, nicht zuletzt die notwendige Umrüstung auf DDR-Standards in Sachen Gesundheits- und Arbeitsschutz und ergonomische Mängel.

Nach einer gewissen Zeit musste nun entschieden werden, was mit den Geräten in Niederlehme geschehen sollte. Auf meinen Vorschlag und nach Rücksprachen wurden die Gerätesätze beim Operativen Diensthabenden in Strausberg eingebaut. Dort fehlten bisher vor allem bessere Möglichkeiten der örtlichen Benachrichtigung am Standort Strausberg. Dafür war der Satz der örtlichen Benachrichtigung gut geeignet. Gleichzeitig konnten mit dem Hauptsatz und dem Zusatzsatz vor Ort Fragen der Übermittlung von Signalen über technische Mittel geübt 'werden'. Zwischenzeitlich war planmäßig an der Entwicklung der Operativen Führungsanlage OFA 1002 weiter gearbeitet worden. Die Entwicklungsaufgabe wurde aufgeteilt, beteiligt waren das Funkwerk Kölleda, Stern-Radio Rochlitz, Robotron in Leipzig und das Fernmeldewerk Neustadt-Glewe. Das Fernmeldewerk in Neustadt-Glewe versprach sich viel von diesem Entwicklungsauftrag als LVO-Vorhaben. Vor allem notwendige und immer wieder zurückgestellte Investitionen hätten durchgesetzt werden können. Ich erinnere mich noch daran, dass die Entwicklungsabteilung in einer morschen Baracke untergebracht war. Wegen des Untergrundes war sie im hinteren Bereich abgesackt.
Anmerkung : Es gab eine Verordnung über Lieferungen und Leistungen an die bewaffneten Organe -Lieferverordnung (LVO). Lieferungen und Leistungen nach dieser Verordnung waren in den Volkswirtschaftsplänen dem Fondsträger 7712 zuzuordnen. Die Erfüllung von Lieferungen und Leistungen hatte Vorrang vor Lieferungen und Leistungen an andere Fondsträger, beispielsweise auch vor Lieferungen und Leistungen für den Bevölkerungsbedarf. Das galt auch für Bauvorhaben. Erst unter der Herrschaft von Günter Mittag wurde die LVO aufgeweicht, Leistungen und Lieferungen für den Export in das westliche Ausland (NSW-Export) hatten nun Vorrang vor allen anderen. Über die Einordnung als LVO-Vorhaben entschied allein das Ministerium für Nationale Verteidigung.
Alle Entwickler der Betriebe standen hinter der Aufgabe, in vielen Dingen wurde ja Neuland beschritten. Mittlerweile war auch die Entwicklung der ersten digitalen Fernsprechvermittlung ENA 64 als dem ersten Geräte der Baureihe 'Elektronischen Nebenstellenanlage 64/128/256' so weit abgeschlossen, dass die Entwicklung der Fernsprechanlage des Operativen Führungsanlage abgearbeitet werden konnte.
Für die Entwicklung der Operativen Führungsanlage 'OFA 1002' wurden an der Entwicklung Beteiligte am 7.10.1989 mit dem Friedrich-Engels-Preis ausgezeichnet. Im Jahre 1989 war die Entwicklung der Operativen Führungsanlage 1002 soweit fortgeschritten, dass die Truppenerprobung im Grenzkommando Mitte angegangen werden konnte. Das Kommando der Grenztruppen bewarb sich um die Truppenerprobung. Den Ausschlag für die Erprobung bei den den Grenztruppen, konkret beim Grenzkommando Mitte, war die Möglichkeit der Erprobung über mehrere Führungsebenen vom Operativen Diensthabenden im Ministerium bis hin zu einer Grenzkompanie.
Die Truppenerprobung sollte im Frühjahr 1990 beginnen.
Die schrittweise Einführung in die NVA sollte dann im Fünfjahrplan 1991-1995 beginnen.
Es kam nicht mehr dazu, im Herbst 1989 wurde die Grenze zur Bundesrepublik geöffnet, die Hauptaufgabe für die Grenztruppen entfiel.
Auch die mögliche Bedrohung durch die Bundeswehr war gegenstandslos geworden.
Im Frühjahr 1990 versammelten sich zum letzten Male Mitarbeiter der Kommandos und der Wehrbezirkskommandos in Leipzig und nahmen voneinander Abschied. Nur der Vollständigkeit halber soll auf die Auslösung einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft durch den Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte eingegangen werden, denn in diesem Beitrag geht es vorrangig um Alarmierungssysteme der NVA und nicht des Oberkommandos der Vereinten Streitkräfte.
Die höhere Stufe wurde durch die Übermittlung eines Signals vom Vereinten Oberkommando zum Ministerium für Nationale Verteidigung ausgelöst. Diese Art der Auslösung trug den verschleiernden Namen 'Monument'. Im wesentlichen war es eine Variante der Übertragung eines Signals über Nachrichtenverbindungen. Die dazu notwendigen technischen Mittel waren nicht Bestandteil der Operativen Führungsanlage.
Das Ministerium für Staatssicherheit war auch in das Gesamtsystem 'Verteidigungsbereitschaft DDR' eingeordnet, weshalb die dortige Verwaltung Nachrichten informiert wurde. An wichtigen Beratungen in Betrieben nahmen Mitarbeiter der Verwaltung teil.
Einen besonderen Anteil an der Entwicklung hatten die für die Investitionen zuständigen Mitarbeiter der Kommandos und der Wehrbezirkskommandos. In jeder Etappe wurde ihnen der aktuelle Stand vorgestellt und mit ihnen beraten.

Ausklang und Rückblick 

In den letzten Monaten wurde mir mehrfach die Frage gestellt, ob denn die Nationale Volksarmee sich nicht auch oder sogar nur auf einen Erst-Angriff auf die Bundesrepublik vorbereitet habe. Immerhin sei es mit den Operativen Führungsanlagen möglich gewesen, innerhalb von Sekunden ein Signal zur Auslösung einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft an alle Kommandos, Verbände, Truppenteile und Einheiten zu übermitteln. Innerhalb von wenigen Stunden seien doch alle Streitkräfte in der Lage gewesen, Gefechtshandlungen auszuführen. Zudem sei doch ein Teil der Streitkräfte unter den Bedingungen der Ständigen Gefechtsbereitschaft ohnehin jederzeit 'gefechtsfähig' gewesen.
Es ist mir nicht möglich, die Gesamtsituation zu bewerten oder einzuschätzen oder über die möglichen Entschlüsse oder Gedanken der politischen und militärischen Führung zu spekulieren. Ich kann deshalb nur für mich sprechen. In den Kommandostabsübungen und Ausbildungsmaßnahmen, an denen ich teilzunehmen hatte, wurde die mögliche militärische und militärpolitische Lage behandelt.
Ausgegangen wurde immer von einem Angriff seitens des Gegners, dieser sollte - so die Aufgabe -  von den Vereinten Streitkräften zum Stehen gebracht und danach gingen die Streitkräfte zum Gegenangriff über. Ziel war die Vernichtung des Gegners auf seinem eigenen Territorium.
Es ist mir bekannt, dass die meisten politischen Entscheidungsträger über die Belastungen und die Risiken eines Krieges informiert waren, sie hatten zumeist an mindestens einer Kommandostabsübung teilgenommen oder hatten einen mehrjährigen Dienst hinter sich.Es ist bedrückend, in welcher Weise Politiker sich heute über militärische Handlungen und Kriege äußern. Sie wissen offensichtlich nicht, was Krieg bedeutet. Persönlich habe ich die grundsätzlichen Leistungsmerkmale der Operative Führungsanlage – besonders die Übermittlung der Signale mittels Datenfernübertragung auf Fernsprechleitungen - konzipiert, die Entwicklung der Anlage geleitet und die Einführung in die Nationale Volksarmee ab 1991 vorbereitet. Dabei habe ich meinen Überlegungen ausschließlich die Abwehr eines drohenden, bevorstehenden oder erfolgten Angriffs auf die DDR zugrunde gelegt. In einem solchen Falle waren die Streitkräfte so schnell wie möglich zu alarmieren und eine höhere Stufe der Gefechtsbereitschaft auszulösen.
Mit gutem Gewissen kann ich das so auch für die an der Entwicklung und Einführung Beteiligten sprechen zu können.
Rückblickend bezweifele ich allerdings, ob es gelungen wäre, die vorhandenen Operativen Führungsanlagen auf den neuen Gerätesatz Operative Führungsanlage 1002 in einem angemessenen Zeitraum eines Fünfjahrplanes umzurüsten.
 Bereits mit dem Fünfjahrplan 1976..1980 zeigte sich nämlich eine Diskrepanz zwischen den ohnehin konkurrierenden Planzielen und den beschränkten Ressourcen. Da die Ziele der ersten Planjahre nicht erreicht wurden, hätten in den letzten Planjahren die ungefähr dreifach höheren Wachstumsraten erreicht werden müssen. Das war schlichtweg volkswirtschaftlich unmöglich. Auch in der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand wurden die Ziele nicht annähernd erreicht, beispielsweise beim Ausbau des Grundnetzes, beim Aufbau des Sondernetzes 1, bei der Bildung der Staatsreserven und beim Ausbau der Verkehrswege. Das lag auch daran, dass die Zielstellungen beispielsweise für den Ausbau des Grundnetzes oder den Aufbau des Sondernetzes 1 wohl von vornherein irreal waren. Zunehmend wurden durch direkte Eingriffe der politischen Führung die Leistungen und Lieferungen für die bewaffneten Organen gemindert. Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, darauf einzugehen.

 Rudolf Grollmisch

Quellen:
1. Direktive des Generalsekretärs des Zentralkomitees der SED und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates über die Verteidigungsbereitschaft der Deutschen Demokratischen Republik – Direktive Verteidigungsbereitschaft - vom 23.06.1980
2. persönliche Erinnerungen

Dienstag, 28. April 2015

Ein Nachtrag zur Verbindungsübersicht

Nachgefragt wurde, ob es denn wirklich keine Richtfunkendstelle sowohl des Richtfunknetzes der SED als auch des Richtfunknetzes der NVA in Berlin gegeben hätte.
Eindeutig, in Berlin gab es im Richtfunknetz der NVA keine Richtfunkendstelle, sie hätte die Bezeichnung 15S3 gehabt.
Das Richtfunknetz der SED jedoch verfügte über eine Richtfunkendstelle im Gebäude des Zentralkomitees. Die Richtfunkverbindung ging zur Bezirks-Richtfunkzentrale in den Rauener Bergen. Dort gab es Vermittlungsmöglichkeiten.
Parallel dazu gab es im Netz der Deutschen Post eine direkte drahtgebundene Verbindung vom Hause des ZK zur Übertragungsstelle in den Rauener Bergen.
In aller Regel wurden die drahtgebundenen Kanäle genutzt und nur in Ausnahmefällen wurde die Richtfunkverbindung aktivierte.l



Montag, 27. April 2015


Zur Geschichte des Richtfunknetzes der NVA :
Von den Richtfunknetzen der SED und der NVA zum Schmalbandrichtfunknetz der DP

 Es wird wohl Zeit, wieder etwas in das Netz zu stellen.
Folgende Themen zur Geschichte des Richtfunknetzes der NVA 
möchte ich mindestens aufgreifen:
der Übergang zum Schmalbandrichtfunknetz der DP
die Aufklärung des Netzes
das Richtfunknetz der 90er Jahre
zum Selbstverständnis des Parteiapparates
Heute der Beitrag  zum Übergang
Viel Spaß beim Lesen! Und sollte jemand Fragen haben 
oder eine Ergänzung, ich greife es gerne auf und 
stelle es ins Netz, selbstverständlich mit Zustimmung und Namen.

Ende der fünfziger Jahre wurde mit dem Aufbau eines parteieigenen Fernmeldenetzes in Form des Richtfunknetzes der SED begonnen.
Zum Jahreswechsel 1983/1984 wurde aus dem Richtfunknetz der SED das Schmalbandrichtfunknetz der Deutschen Post.
Das Richtfunknetz der NVA blieb weiterhin bestehen.
Die Ämter der Deutschen Post übernahmen Richtfunkstellen (Objekte), Geräte und Bestände an Material; Personal des Richtfunknetzes der SED wechselte zur Deutschen Post.
Ab dem 01.01.1984 gab es formal kein Richtfunknetz der SED mehr. Formal.
Wie kam es zu diesem Wandel? Wieso verzichtete der Parteiapparat der SED auf sein eigenständiges Nachrichtennetz und vertraute ihre Verbindungen der Deutschen Post an?
Hatte das Richtfunknetz der SED für den Parteiapparat seine Bedeutung verloren? Wurde es stillgelegt, weil alle Verbindungen abgehört wurden und so eine Nutzung unmöglich war? War das RFN der SED bedeutungslos geworden, weil das Sondernetz 1 die Verbindungen sicherstellte?
Um es vorwegzunehmen, weder der Parteiapparat noch die Nationale Volksarmee verzichtete auf ihre Nachrichtennetze. Die endgültige Verzichterklärung der SED und der NVA auf ihre eigenen Richtfunkverbindungen kam erst 1990.
Im folgenden wird der Übergang nachvollzogen und es werden einige mögliche Gründe für diesen Übergang erörtert. Leider liegt mir zu den Gründen des Übergangs kein Quellenmaterial vor.
Der Übergang selbst kann anhand von Dokumenten gut nachvollzogen werden.
In einigen Veröffentlichungen wird von einer Übergabe des Richtfunknetzes der SED an die Deutsche Post geschrieben. In offiziellen Dokumenten des Parteiapparates und des Ministeriums für Post und Fernmeldewesen wird der Begriff 'Überführung des Richtfunknetzes der Partei in das Gesamtstaatliche Nachrichtennetz' benutzt. Worin der Unterschied besteht, wird im weiteren deutlich.

Welche Gründe könnten zur Überführung haben?
Der erste Grund und vielleicht der wichtigste war der Zustand der Geräte.
An den Geräten nagte der Zahn der Zeit – in mehrerer Hinsicht.
Die verwendete Richtfunktechnik, die Übertragungstechnik, Stromversorgungstechnik und Vermittlungstechnik stammte aus den fünfziger Jahren. Trotz aller Bemühungen um eine Weiterentwicklung, es war und blieb eine veraltete Technikgeneration. Sicher, ein Teil der Übertragungstechnik bestand aus den mit Halbleiterbauelementen bestückten Trägerfrequenzgeräten TTF-4. Auch die Richtfunkgeräte waren durch Technische Änderungen 'modernisiert' worden. Die Wählvermittlungen waren Hebdrehwähler-Anlagen.
Ein Generationswechsel wäre notwendig und möglich gewesen, denn mittlerweile gab es kleinere, mit Halbleiterbauelementen bestückte, weniger energieintensive Geräte und auch schon rechnergestützte Geräte und Anlagen.
Eine neue Generation der Richtfunkgeräten hätte vermutlich in einem höheren Frequenzbereich arbeiten müssen. Die Übertragungsverfahren hätten mit hoher Sicherheit nicht analoge, sondern digitale sein müssen.
Kurzum, ein Generationswechsel der gesamten Gerätetechnik hätte sich vollziehen müssen.
Auch betriebswirtschaftlich waren die Geräte abgeschrieben und die Betriebskosten waren zu hoch im Vergleich zu neuen Generationen.
Eine solche Umrüstung wäre nur sinnvoll gewesen mit einem veränderten Betriebsdienst, beispielsweise einem rechnergestützten.
Auch die gesamte Struktur des Netzes wäre neu zu überdenken gewesen.
Das hätte ein Überdenken des Nachrichtensystems verlangt.
Die im Richtfunknetz der SED eingesetzte Generation von Geräten belastete zunehmend die Partei, wirtschaftlich und personell.
Ein weiterer Grund lag in der Zuverlässigkeit der Anlagen und Geräte.
Geräte und die darin befindlichen Bauelemente haben eine unangenehme Eigenschaft, die Wahrscheinlichkeit ihres Ausfalls steigt mit zunehmendem Alter oder wie es ingenieurtechnisch ausgedrückt wird, die mittlere Zeit zwischen zwei Ausfällen, die MTBF, sinkt. Dieses Verhalten wird in einer Badewannenkurve grafisch dargestellt.

Das technische Personal der Abteilungen Fernmeldewesen hatte es dank eines ausgezeichneten technischen Betriebsdienstes geschafft, die Ausfallwahrscheinlichkeit der Geräte zu senken.
So wurden 1979 bis 1961 mit einem Kostenaufwand von 0,5 MioM Elektronenröhren gegen Transistoren ausgetauscht. Dadurch sank der Energiebedarf um 1,5 MiokWh/a, die Kosten sanken dadurch jährlich um etwa 200 TM. Ein solches Ergebnis hatte auch enorme volkswirtschaftliche Bedeutung, war doch die Sicherstellung des Bedarfes an Elektroenergie immer ein echtes, gesamtgesellschaftliches Problem in der DDR. Auch der Wartungs- und Instandsetzungsaufwand sank dank der Bemühungen, etwa 27.000 Arbeitsstunden jährlich konnten eingespart werden.
Trotz aller Bemühungen stiegen die Aufwendungen für die Erhaltung der Betriebsfähigkeit.

Hinzu kam das Problem der beschaffbaren Bauelemente. Durch die Spezialisierung im RGW kam es nicht nur im Richtfunknetz der SED zu Lieferschwierigkeiten und zu Schwierigkeiten mit dem Qualitätsstandards.
Ein Beispiel aus dem Alltag soll das allgemeinverständlich illustrieren. Die Mitgliedstaaten des RGW – des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe – hatten eine internationale Spezialisierung auch bei Glühlampen vereinbart. So wurden Glühlampen mit einer bestimmten Leistung für den gesamten Wirtschaftsraum nur in einem bestimmten Land hergestellt. Kam es in diesem Land zu Problemen in der Produktion – aus welchen Gründen auch immer – kam es zu Lieferengpässen im gesamten Wirtschaftsraum beispielsweise bei Glühlampen mit einer Leistungsaufnahme von 75 Watt. Es gab monatelang einfach keine Glühlampen einer bestimmten Art.
Im Zuge dieser Wirtschaftspolitik wurde die Fertigung auch einiger Typen von Elektronenröhren in der DDR eingestellt, der Bedarf war durch Import aus einem anderen RGW-Land zu decken.Das war nicht ganz unproblematisch, da die Qualität dieser Elektronenröhren nicht immer den DDR-Standards, wodurch die Ausfallwahrscheinlichkeiten stiegen und die Lebensdauer sank. In den Abteilungen Fernmeldewesen wurden schon jeher die Elektronenröhren vor ihrem Einsatz 'künstlich' gealtert, um die Anzahl der Frühausfälle zu senken. Das half in der veränderten Situation mit den Importbauelementen nicht immer.
Ein weiterer Grund war der allgemeine Bauzustand der Richtfunkstellen. Der Großteil der Gebäude stammte aus den fünfziger Jahren. Zwar wurde der Zustand der Gebäude erhalten, aber auch dort wuchs der Erneuerungsbedarf, beispielsweise bei den Antennenträgern oder den Fassaden oder den Fenstern. Faktisch wuchs der Stau für die Erneuerung der Bauwerke.

Andererseits war der Einfluss der SED in Staat und Wirtschaft mit den Jahren so gewachsen, dass auch die 'Zuverlässigkeit' des Personals im staatlichen Nachrichtenwesen vom Parteiapparat deutlich höher als 1953 eingeschätzt wurde.
Hinzu kam, dass es seit den fünfziger Jahren weitreichende Veränderung auch im Staatlichen Nachrichtenwesen gegeben hatte. Im MPF gab es einen militärischen Bereich in Form der Zentralen Nachrichtenkommandantur und der Hauptabteilung I. In den Bezirksdirektionen gab es ebenso militärische Bereiche.
Diese Bereiche bereiteten den Verteidigungszustand vor und besorgten im Falle eines Notstandes oder im Verteidigungszustand die Aufrechterhaltung der notwendigen Nachrichtenverbindungen, auch für die auf dem Territorium handelnden Truppen des Warschauer Vertrages. Gesichert wurde damit auch die Zuverlässigkeit des Staatlichen Nachrichtenwesens im Sinne der SED.

Und letztlich hatten möglicherweise auch personelle Veränderungen in der Führung der Abteilung Fernmeldewesen einen Einfluss auf die Überlegungen zur Zukunft des Richtfunknetzes der SED. 

Obwohl im Planzeitraum 1971-1975 der Aufbau des Sondernetzes 1 begonnen wurde, scheint das zumindest im Jahre 1980 die Entschlussfassung zur Überführung des Richtfunknetzes nicht allzu stark beeinflusst zu haben. Zwei Daten belegen das : Die Überführung wurde bereits am 18.06.1980 beschlossen, der Anschluss der Nachrichtenzentralen der Partei an das Sondernetz 1 erst am 16.6.1982.

Was tun, sprach Zeus! Der Parteiapparat suchte nach Möglichkeiten, die anstehenden Probleme in Griff zu bekommen. Letztlich verblieb nur eine Möglichkeit, das Richtfunknetz musste abgestoßen werden. Andererseits mussten die Kommunikationsmöglichkeiten für den Parteiapparat erhalten bleiben. Dafür gab es wohl nur eine Möglichkeit, die Überführung.

In zwei Sitzungen beschäftigte sich das Sekretariat des Zentralkomitees der SED mit der Überführung, am 18.6.1980, und am 16.Juni 1982. Es dauerte über zwei Jahre, ehe das Sekretariat beschloss, 'das Richtfunknetz der Partei ab 1.1.1984 in das Gesamtstaatliche Nachrichtennetz' zu überführen.
In der Sitzung vom 16.6.1982 beauftragte das Sekretariat des Zentralkomitees den Ministerrat der DDR alle erforderlichen Maßnahmen zur Überführung einzuleiten.
Zur Unterstützung wurden bereits im Jahre 1983 11 Mitarbeiter aus der Abteilung Fernmeldewesen im ZK in das MPF überstellt, um die reibungslose Überführung abzusichern.
Es bestand also  keinesfalls die Absicht, das Richtfunknetz der Partei aus welchen Gründen auch immer abzuschalten und die Gebäude und die Technik abzugeben. Durch die Überführung wurde das Richtfunknetz der Partei als wichtiges Kommunikationsmittel erhalten, trotz möglicher Abhörbarkeit, trotz Sondernetz 1.

Im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen gab es sicher anfangs in der Frage der 'Überführung' abweichende Meinungen, weil ein Schmalband-Richtfunknetz nicht unbedingt in das Gesamtkonzept der Deutschen Post passte.
Die Deutsche Post hatte in den letzten Jahren ein recht gut ausgebautes Breitband-Richtfunknetz. Nun sollte parallel dazu ein Schmalbandrichtfunknetz betrieben werden, mit anderen Geräten, anderen Bauwerken, anderem Personal. Die Techniker der Deutschen Post kannten in den wenigsten Fällen die im Richtfunknetz der SED oder der NVA eingesetzten Geräte. Die Mitarbeiter redeten von Primär- und Sekundärgruppen und sollten nun in 12-er-Gruppen denken! Verständlicherweise wurde gefragt, ob die wenigen Kanäle des Schmalbandrichtfunknetzes nicht auch besser im Breitband-Richtfunknetz bereitgestellt werden könnten.

Sei es wie es sei, das Richtfunknetz der SED - und damit auch das Richtfunknetz der NVA - wurde überführt und war nun das Schmalband-Richtfunknetz der DP.

Der Beschluss sah ursprünglich vor, das Richtfunknetz erst ab dem 01.01.1984 zu überführen. Tatsächlich war die Überführung im wesentlichen am 31.12.1983 abgeschlossen.
Die 11 Mitarbeiter der Abteilung Fernmeldewesen des ZK wurden in den Sektor Richtfunktechnik aufgenommen.
Fast 130 Mitarbeiter der Abteilungen Fernmeldewesen der Bezirksleitungen wurden von den Ämtern der Deutschen Post übernommen.
Zusätzlich zu den von den Abteilungen Fernmeldewesen übernommenen Mitarbeitern wurden weitere 95 Mitarbeiter der Deutschen Post für das 'Schmalbandrichtfunknetz der Deutschen Post' eingesetzt.
Auch die Ganzseitenübertragung für die Zeitungen 'Neues Deutschland' und 'Junge Welt' wurde der Deutschen Post übertragen.
Die Richtfunkobjekte der Partei im Wert von ca. 89 MioM wurden in den Verantwortungsbereich des MPF ohne Werterstattung übergeben.
Aus den Bezirksrichtfunkzentralen wurden Bezirks-Richtfunkübertragungsstellen.

Der Parteiapparat blieb der Hauptnutzer des Schmalband-Richtfunknetzes. Dafür sollten vom Parteiapparat an die Deutsche Post 20 MioM Mietgebühren gezahlt werden. Dazu gab es eine Orientierung im Parteiapparat. In Zusammenhang mit der Beratung im Sekretariat gibt es ein Schreiben des Genossen Ehrensperger (Planung und Finanzen) vom 09.6.1982 an den Genossen Günter Mittag, wonach diese 'Mietgebühren durch den Minister der Finanzen aus dem Staatshaushalt gezahlt werden. Die Erstattung aller Fernsprechgebühren aus dem Staatshaushalt beruht auf einer Festlegung des Genossen Erich Honecker aus dem Jahre 1973'.

Das RFN der NVA sollte weiter bestehen bleiben. Das Sondernetz 1 oder die Abhörbarkeit der Richtfunkverbindungen war offensichtlich kein Thema. Für das Richtfunknetz der NVA wurde zwischen dem Ministerium für Post und Fernmeldewesen und dem Ministerium für Nationale Verteidigung eine zusätzliche Vereinbarung erarbeitet und am 31.12.1983 durch Generalleutnant Paduch und Staatssekretär Dr. Calov unterzeichnet.

Die bisherige Form der Sicherung und Bewachung der Objekte durch Kräfte der Volkspolizei wurde beibehalten, das regelte eine weitere Vereinbarung zwischen dem Minister für Post und Fernmeldewesen und dem Minister des Inneren.

Am 17.2.1984 wurde in einer Dienstbesprechung des Ministers für Post und Fernmeldewesen der Abschlußbericht über die Erfüllung des Maßnahmeplanes des Ministers vom 23.8.1982 zur Überführung des Richtfunknetzes der Partei in das Gesamtstaatliche Nachrichtennetz vorgelegt. 

Ab 01.01.1984 gab es das Richtfunknetz der SED in der bisherigen Form nicht mehr, es gab nur noch ein Schmalbandrichtfunknetz der Deutschen Post.
Tatsächlich aber verzichtete das ZK der SED keinesfalls auf das wichtige Kommunikationsmittel 'Richtfunknetz', nur in einer anderen Form, trotz der möglichen Aufklärung durch den BND und den USA-Geheimdienst.

Was hatte der Parteiapparat erreicht?
Die bisherige personelle, materielle und finanzielle Belastung entfiel, es entfielen auch die Sorgen um die Zukunft des RFN der SED, besser, der Partei.
Und da die 20 MioM Mietgebühren wohl aus dem Staatshaushalt kamen, betrieb der Parteiapparat sein Richtfunknetz nunmehr kostenlos - unter anderem Namen.

Einen Überblick über das Schmalbandrichtfunknetz findet man bei SYGULLA und SCHWENKE.
Bei SCHWENKE ist auch vieles zur Geschichte des Richtfunknetzes der SED zu finden.

Damit war das Kapitel 'Richtfunknetz der SED' in der Geschichte der DDR fast abgeschlossen.

Anfang der achtziger Jahre wurde eine Neuauflage der Richtfunknetze als 'Grundnetz des Staatlichen Nachrichtenwesens – Teil Richtfunk'.

Mit der Wende 1989 wurde das Thema 'Richtfunknetz der SED' zeitweilig aktuell.
Im Zusammenhang mit der Abschaltung der Parteiorgane vom Schmalband-Richtfunknetz wurde diskutiert, ob die nun freien Übertragungskanäle für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Fernsprechanschlüssen genutzt werden könnten.
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